| Interview von Oliver mit Christian von Virtual Victim, 07.02.2007, [ mail to mail ] |
|
|
| Oliver:
Wie hoch würdest du den Sieg beim Battle Of The Bands
Wettbewerb 2005 zum heutigen Zeitpunkt einschätzen? Chris: Zum heutigen Zeitpunkt schätze ich den Gewinn als sehr hoch ein, weil er mich nicht nur enorm motiviert hat, sondern auch die eine oder andere Tür aufgestoßen hat, was sich zum Teil erst jetzt zeigt. Als mir vor einem Jahr das Ergebnis mitgeteilt wurde, konnte ich das gar nicht glauben. Noch nicht einmal im Traum hätte damit gerechnet. Umso größer war natürlich meine Freude. Gleichzeitig setzte ich mich selber etwas unter Druck, denn ich fühlte mich eigentlich noch nicht bereit dazu, Virtual Victim einem größeren Publikum vorzustellen. Ich hatte nur wenige gute Tracks auf Lager, die gerade mal für eine EP ausreichten. Andererseits zeigte mir der enorme Zuspruch, dass den Lesern meine Musik gefiel und ich definitiv auf dem richtigen Weg war. Ich begann langsam, neue Songs zu schreiben und ließ mich dabei immer wieder von positiven Reaktionen anspornen. Das führte soweit, dass ich im Sommer und Herbst einen sehr guten Lauf hatte, um Anfang Dezember endlich die Arbeiten an dem ersten Album erfolgreich abzuschließen. Auch ohne den Erfolg beim Battle Of The Bands hätte es sicherlich ein Virtual Victim-Album gegeben, aber bestimmt nicht in der Form, in der es heute vorliegt! |
| Oliver:
Fühlst du dich bei einem jungen Label wie Rupal Records
gut aufgehoben, immerhin sind hier ja schon einige
vielversprechende Bands vertreten? Chris: Na klar fühle ich mich wohl. Bisher habe ich alles alleine gemacht, so dass ich mit dem Label im Rücken jetzt ganz neue Erfahrungen sammle. Ich habe also keinen Vergleich, kann aber ohne Einschränkungen behaupten, zufrieden zu sein. Wie Du schon erwähnst denke ich auch, dass man von einigen Kollegen in Zukunft noch eine ganze Menge hören wird. |
| Oliver:
Das renommierte Label dependent wird, wie von Labelchef
Stefan Herwig angekündigt, zum Sommer diesen Jahres
seine Pforten schließen. Hast du davon mitbekommen und
wie ist deine Meinung hierzu? Chris: Ja, ich habe davon bereist vor der Veröffentlichung der aktuellen Compilation gehört. Ein Freund rief mich extra deswegen an und meine entsetzten ersten Worte waren: Das gibts doch gar nicht...!. Da einige meiner persönlichen Lieblingsbands bei Dependent unter Vertrag sind, musste ich sofort an sie denken. Die Tatsache, dass ausgerechnet Dependent als ein Label mit sehr gutem Ruf seine Arbeit einstellen wird, stimmt mich extrem nachdenklich. Auch deshalb, weil ich mit Virtual Victim erst am Anfang stehe und gerade dabei bin, mir langsam einen Einblick hinter die Kulissen des Marktes mit all seinen Schwierigkeiten zu verschaffen... Insofern kann ich die von Stefan Herwig vorgetragenen Beweggründe nachvollziehen und hoffe im Sinne aller Musiker und HörerInnen, dass sich seine Prophezeiungen nicht bewahrheiten werden... |
| Oliver:
Was hältst du als Künstler von illegalen downloads und
wie sollte bzw. kann man diesen entgegentreten und den
Hörern den Kauf einer CD schmackhaft machen? Chris: Illegale Downloads sind das, was sie sind - nämlich illegal und somit keineswegs förderlich. Ich habe nichts dagegen, wenn sich Leute ab und zu CDs herunter laden, so lange das Verhältnis zwischen Downloads und gekauften CDs in einem vernünftigen Maße steht. Bevor es das Internet gab, hat man sich auch CDs kopiert oder auf Kassette/Tonband aufgenommen. Nicht jede herunter geladene CD wäre damals über den Ladentisch gegangen. Das Problem sehe ich nur darin, dass es zu vielen Leuten heutzutage nichts mehr bedeutet, eine richtige CD mit Booklet und allem was dazu gehört in den Händen zu halten. Echte CDs besitzen für viele keinen Wert mehr. Darüber hinaus scheint den meisten Leuten nicht im geringsten bewusst zu sein, dass sie mit ihrem Verhalten langfristig gesehen qualitativ hochwertige Musik schon im Keim zerstören, weil sie in unserer verhältnismäßig kleinen Szene kaum keine Chance bekommt, sich durchzusetzen. Zudem weiß wohl kaum jemand, wie viel Geld die Produktion einer CD und ihre Vermarktung (Promotion, Vertrieb etc.) wirklich kostet, damit sie überhaupt erst verbreitet werden kann - ganz zu schweigen vom dem kreativen Zeit- und Arbeitsaufwand. Wenn ich die allumfassende Lösung für das Problem hätte, würde ich sie selbstverständlich preis geben - habe ich aber nicht. Für unverzichtbar (und erstrebenswert für Künstler und Konsument) finde ich neben der musikalischen Qualität eine ansprechende Verpackung inklusive schönem Booklet. |
| Oliver:
Von welchen Bands wurdest du maßgeblich inspiriert? Chris: Hierbei kann und möchte ich gar keine speziellen Bands nennen. Im Allgemeinen haben mich all jene Bands/Künstler beeinflusst, die ich seit vielen Jahren höre und die größtenteils gar nichts mit EBM oder Dark-Electro zu tun haben. Im Speziellen gibt es natürlich eine Hand voll Interpreten, die sich im Electro-Dschungel tummeln und an denen ich mich stellenweise orientiere. Das Schönste dabei ist, dass noch nie jemand auch nur eine davon genannt hat, wenn er zu Virtual Victim Vergleiche aufgestellt hat. Es waren stets andere, was mich sehr freut, denn es zeigt mir, dass ich meine Hausaufgaben richtig gemacht und nicht einfach kopiert habe. *g* |
|
|
|
| Oliver:
Wird es eine Live Perfomance von Virtual Victim geben,
wenn ja in welcher Besetzung würdest du auf Tour gehen,
dann eher als One Man Show oder vielleicht mit
Unterstützung? Chris: In nächster Zeit wird es aus verschiedenen Gründen leider keine Live-Auftritte geben. Wenn es irgendwann doch soweit ist, dann werde ich allerdings nicht alleine, sondern mit tatkräftiger Unterstützung auftreten. Momentan mache ich mir eher Gedanken darüber, als Gast DJ in Clubs aufzulegen. Mal sehen, ob sich da was ergibt... |
| Oliver:
Plant vielleicht sogar Rupal Records eine Label Tour, wie
diverse andere Labels dies auch immer gerne realisieren? Chris: Da ich in näherer Zukunft keine Live-Konzerte geben werde, weiß ich nicht, ob diesbezüglich etwas geplant ist. Ich könnte es mir aber durchaus vorstellen. |
|
|
|
|