Interview mit Peter Spilles & Jinxy von Santa Hates You, Juni 2008 .[ mailer ]
 

Peter Spilles, vielen eher bekannt durch die Szenegröße Project Pitchfork, geht fremd!!! Mit Santa Hates You wagt er sich in etwas andere Gefilde und schafft etwas Neues, das sich wahrlich zu hören lohnt. Schon die Promotion für dieses Album ist äußerst ungewöhnlich und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Da sieht man Menschen, die sich mit Tintenfischen dekorieren oder blutverschmiert auf einen herab schauen. In der Selbstdarstellung nennen sie sich selbst eine knuffige Monster Band mit einer Zielgruppe, die aus Plüschtieren besteht. Schaut man sich dann noch das Artwork des Longplayers an, ist man völlig verwirrt. Dort ragt eine Tentakel aus einem roten Geschenkpaket heraus und auf der Rückseite findet sich in zweifacher Ausführung eine tanzende Symbiose aus Tintenfisch und Barbie. Für uns Gründe mit den beiden ein kleines Interview zu führen und dem auf den Grund zu gehen, aber lest selbst.

 

Maike: Peter, du bist ja vielen Lesern durch Project Pitchfork bestens bekannt. Wie kam es dazu, dass du mit Santa Hates You eine andere Richtung fernab von PP eingeschlagen hast?
PS: Ich hatte einfach Lust die Elektro-Szene aufzumischen. Ausserdem habe ich derart viele musikalische Ideen, dass ich einfach ein neues Projekt in die Welt bringen musste, um sie alle unterbringen zu können.

 

Maike: Im Sommer stehen ja einige Liveauftritte an. Bist du vor diesen noch aufgeregt, weil du ein neues Projekt vorstellst?
PS: Es kribbelt jedes mal vor einem Auftritt. Egal für welches Projekt. Der besondere Reiz an den Live-Auftritten mit Santa Hates You ist, dass wir zu zweit auf der Bühne stehen und ich mit JINXY zusammen in die Tasten hauen muss.

 

Maike: Ist mit Santa Hates You noch ein große Tour geplant? Vielleicht noch in diesem Winter?
JINXY: Zuerst werden wir in diesen Sommer beim Infest in England und beim NCN3 Festival in Deutzen auftreten. Wir haben sehr viel Spaß auf der Bühne und lieben es dieses Gefühl mit dem Publikum zu teilen. Deswegen können wir uns eine Tour sehr gut vorstellen und planen bereits etwas in dieser Richtung. Aber wir wollen nicht alles verraten, also: Bleibt am Ball und lasst euch überraschen! ;-)
PS: Genau, ... das Jahr ist noch lang. Da kann noch viel passieren.

 

Maike: Ihr habt ja eine sehr schöne Werbekampagne entwickelt, in der ihr euch als Monster Kuscheltiere darstellt. Die Fotos vermitteln jedoch genau das Gegenteil. Da liegt natürlich der Vergleich zu Jägermeister nahe, die momentan mit ihrer „Keinjägermiester“-Werbung zeigen wollen, wer NICHT ihre Zielgruppe ist. Strebt ihr ein ähnliches Ziel an?
JINXY: Wir wollten symbolisch unsere kritische Haltung gegen die ethiklose Welt, in der wir leben, darstellen. Die Gesellschaft und die religiösen Instanzen predigen ständig, dass das Gute immer gewinnt. Dieselbe Gesellschaft scheint aber in der Tat "gut" als Synonym für Erfolg, Geld und Macht zu verstehen. Diejenigen die betrügen, ausbeuten und über Leichen gehen (metaphorisch und leider auch buchstäblich), werden von der Gesellschaft belohnt und bewundert. Unser Statement dazu ist: Wenn das "die Guten" sind, sind wir das Gegenteil, also "die Bösen", dann sind wir die Monster. Kuschelige Monster, denn im Gegensatz zu den richtigen Monstern, die in der Gesellschaft als "gut" gelten sind wir, und alle die mit uns fühlen, noch unverdorben und rein.

 

Maike: Die Fotos auf eurer MySpace Seite sind ja schon ein Hingucker und erzeugen gleichermaßen Ekel wie Faszination. Wer denkt sich das Artwork der CDs und Internetpräsenz bei euch aus?
JINXY: Danke für das Kompliment! Für das Artwork der CDs und die Internetpräsenz tragen wir beide die Schuld ;-). Genauso wie für jeden anderen visuellen und inhaltlichen Aspekt der Band. Uns verbindet unsere Weltanschauung und die gleiche Art von Humor, so passiert es oft, dass wir die selbe "Vision" teilen. Als wir mit dem Brainstorming für das Artwork angefangen haben, hat jeder von uns verschiedene Ideen ins Feuer geworfen. Sehr schnell wurde uns klar, dass diese sich hervorragend ergänzen und schon erblickte der von dir erwähnte "Mix aus Ekel und Faszination" das Licht des Lebens.

 

Maike: Bleibt bei der Arbeit mit Santa Hates You denn noch genug Zeit, sich auf Project Pitchfork zu konzentrieren oder liegt die Arbeit dort momentan brach?
PS: Ich koordiniere die Arbeit an meinen Projekten minutiös und erreiche dadurch eine Effizienz, bei der alle meine Ideen und Vorstellungen umgesetzt werden können. Wäre das nicht so, würde ich kürzer treten um diese Ziel zu erreichen.

 

Maike: Peter, was ist für dich der größte Unterschied zwischen beiden Projekten?
PS: Zum einen JINXY. Zum anderen unterscheidet sich die Musik dieser beiden Projekte enorm.

 

Maike: Das Album „You’re on the naughty list“ ist ja nun in den Regalen der CD Läden käuflich zu erwerben. Welche Resonanz habt ihr denn von außen schon zum neuen Album bekommen?
JINXY: Die Resonanz war bisher richtig gut, ...fast unverhofft gut. Ich meine, natürlich kreiert jeder Künstler ein Werk erst einmal für sich alleine und weil die Muse ihm/ihr keine andere Wahl lässt ;-), aber wenn der schöpferische Prozess vollendet ist, und man merkt, dass andere Menschen darauf aufmerksam werden und so positiv reagieren wie in unserem Fall, fühlt man sich überglücklich und dankbar. Was will man mehr?
PS: Auch schon vor dem Release hatte ich die Möglichkeit die Tracks als DJ im Club zu testen. Dort hatte ich bereits sehr gute Resonanzen erfahren dürfen. Wirklich jeder Track hat das Zeug die Tanzfläche zu füllen, und genau das war eines der Ziele die wir mit Santa Hates You erreichen wollten.

 

Maike: Seid ihr selbst zufrieden mit eurem Werk oder habt ihr für die Zukunft noch etwas, woran ihr arbeiten wollt?
PS: Wir werden in Zukunft bestimmt an neuen Songs für Santa Hates You arbeiten.
JINXY: Ich bin der Meinung, Weiterentwicklung ist das A und O nicht nur für ein Künstler sondern für jeden Menschen. Wer denkt perfekt zu sein, und nichts neues mehr lernen zu müssen, ist geistig schon tot und begraben. Selbstverständlich sind wir mit unserem Werk bisher zufrieden, ansonsten wären wir damit nie in die Öffentlichkeit gegangen. Aber die Zukunft von Santa Hates You wird bestimmt noch besser.

 

Maike: Der Weihnachtsmann kommt wenn es dunkel wird durch den Kamin, wenn es niemand mitbekommt und legt Geschenke unter den Baum, während er Kekse und Milch konsumiert, glaubt ihr, dass der Weihnachtsmann mit seinem Verhalten kleine Kinder erschreckt oder er diese Heimlichtuerei nur auf sich nimmt, weil er Kinder hasst und ihnen nicht über den Weg laufen will?
PS: Du glaubst an den Weihnachtsmann??? Das erschreckt mich.
JINXY: Wahrscheinlich schämt er sich, deswegen versucht er ständig niemandem über den Weg zu laufen. Scham kann auch als Zeichen von niedrigem oder nicht existentem Selbstbewusstsein interpretiert werden. Wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist, dann wird man auf andere neidisch. Neid ist die Mutter von Hass, und da schliesst sich unser Kreis: Santa hasst dich weil du viel hübscher, klüger, sympathischer, liebenswerter, unabhängiger und freier bist als er. Du bist alles, was er nie sein wird.

 

Maike: Wie kamt ihr auf den Namen Santa Hates You? Wollt ihr eure eigenen Kindheitstraumata aufarbeiten, als ihr Gedichte aufsagen musstet und dann doch nur dir Rute bekamt?
PS: Wir kamen auf diesen Namen, weil es stimmt! Habt ihr nie das Gefühl gehabt, dass er ein Wolf im Schafspelz ist? Mal im Ernst: Er tut immer so unschuldig und lieb, da muss man doch misstrauisch werden!

 

Maike: Ihr habt das letzte Wort, was möchtet ihr der Außenwelt noch unbedingt mit auf den Weg geben?
PS: Revolution, Baby!
JINXY: Stay naughty!

 
Maike: Vielen Dank für das Interview!
Wir danken euch!
 
Interview geführt von .Maike Kowalle .[ mailer ]
Homepage Künstler..www.myspace.com/santahatesyou