Interview mit ASP in der Christuskirche Bochum, am 12.10.2008 ..[ face2face ]
 

Nach 2006 machte sich der schwarze Schmetterling zum zweiten Mal auf, um seine Fans mit einer unplugged-Tour zu erfreuen. Waren beim ersten Mal noch die Jungs und Mädels von Der Band Chamber mit von der Partie, so wurde diesmal die Geschichte eines Müllerburschen Namens Krabat zum Anlass genommen, den Stöpsel aus der Gitarre zu ziehen. Doch bevor es mit dem Konzert losgehen sollte, sprach Redakteur Carsten Terres noch mit ASP, über die Geschehnisse der letzten Monate, die Tour und der erst kürzlich veröffentlichten Platte "Zaubererbruder". [ review ]

 

Carsten: „Erst einmal vielen Dank, dass Du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Zunächst möchte ich dir aber ein paar Fragen zum aktuellen Album stellen. Wann und wie war dein erster Kontakt zur Krabatsage?“
ASP: „Das war selbstverständlich das großartige Buch von Ottfried Preußler, das war der erste Link dorthin. Ich habe das einige Jahre später „Die schwarze Mühle“ von Jurij Brezan gelesen. Dies ist auch ein sehr schönes Buch, wenngleich auch ganz anders als der Krabat von Preußler und dies waren dann auch die Momente da ließ mich die Geschichte nicht mehr los.“

 

Carsten: „Gibt es einen Punkt in der Geschichte, der dich am meisten gefesselt hat, so zusagen eine Initialzündung für dich war?“
ASP: „Meine Initialzündung war, obwohl die Story an sich unglaublich viel hergibt gerade wenn man sich für die düsteren Geschichten interessiert, glaube ich dass es, wie bei den spannendsten Geschichte die ich sehr schätze, das Ende des Buches war. Da habe ich gedacht das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein. Das Ende ging mir viel zu schnell, ich habe mich gefragt, wo all die Figuren plötzlich hin sind, die man über die vergangenen Seiten lieben gelernt hat. Und vielleicht war es schon damals diese Leere, die es für mich zu füllen galt, da war auch schon ein Horror Vacui, das mich dazu gebracht hat immer mehr zu recherchieren und zu schauen wo kommt diese Geschichte her, was hat der Herr Preußler sich damals rausgepickt und was hat er dazu erfunden. Er hat ja ganz viel dazu erfunden und das hat er sehr großartig gemacht. Damit tauchte das Projekt eigentlich erstmal in meine Projekteschublade ein um dann auch wieder ganz natürlich auf, als wir Lieder für die „Ich bin ein wahrer Satan“-Single gesucht haben. Ich wollte damals, da die Requiembryo kurz vor der Veröffentlichung stand, nicht so viel von dem Album verraten und da fiel mir das mit dem Krabat wieder ein. Das passte so gut, dieser Punkt ergab sich dann ganz homogen und wir hatten so viel Spaß an den Songs und die Fans haben uns dann auch ein wenig gedrängt und ermutigt daran weiter zu machen. Die Fragen ließen auch einfach nicht mehr nach.“

 
Carsten: „Mit deiner Antwort hast du mir direkt zwei Fragen mitbeantwortet…“
ASP: (lacht) „Manche nennen so was Kommunikationsprofi, andere Labberbacke!“

 

Carsten: (lacht) „Du sagtest gerade die Fans haben nicht locker gelassen, mir ging es beim hören des ersten Songs auch so, dass ich gedacht habe, da müsste jetzt noch mehr kommen. Hattest du denn von Anfang an geplant aus der Geschichte ein komplettes Album zu machen, oder kam das erst so peu a peu?
ASP: „Ich wollte schon gerne die Liederreihe schreiben, aber es war mir zunächst gar nicht so wichtig, dass die veröffentlicht wird.Das kam erst, als wir einige der Lieder raus gebracht hatten. Ich mag es aber auch nicht, wenn unerledigte Arbeiten rum liegen und die Fans wollten es ja auch hören. Also haben wir dieses Album als eine Art Zwischenalbum gemacht, vor dem nächsten eigenen Erzählkonzept.“

 

Carsten: „Wie kamen den die Ideen zu den Liedern, war es dass du die ganze Geschichte umsetzten wolltest oder hattest du erst einzelne Abschnitten der Geschichte im Kopf?“
ASP: „Ich glaube es lag daran, wie ich gearbeitet habe. Ich habe sehr nah bei Preußler begonnen und je länger ich daran gearbeitet habe, desto weiter habe ich mich von seiner Geschichte entfernt. Das war es zum einen und zum anderen gab es von Anfang an einige Ideen die ich unbedingt umsetzen wollte, wie zum Beispiel „Zaubererbruder“. Das Stück selber erzählt ja eigentlich die Rückkehr von Krabat in die Mühle, diese Stelle gibt es ja bei Preußler nicht, aber dies habe ich mir erlaubt hinzu zu dichten. Dazu gab es von Beginn an einige Ideen. Von daher hatte ich von Anfang an schon eine ungefähre Ahnung wie die Geschichte verlaufen sollte und habe dann aber, da es schnell gehen musste erstmal die Teile umgesetzt die in der frühen Phase der Geschichte spielen und auch von Preußler beschrieben wurden, wie die Lehrjahre in der Mühle. Dies geschah zum einen aus Zeitgründen, aber auch da ich nicht zu viel von der Geschichte zu Beginn an verraten wollte.“

 

Carsten: „Du hast gerade das Lied „Zaubererbruder“ angesprochen. Beim mehrfachen hören hat die Gesichte, die ja außerhalb der preußlerschen Erzählzeit spielt, bei mir durch die `getauschten` Krabat-Gesangparts für Verwirrung gesorgt. Kann das Lied nicht auch die Geschichte des bösen Müllers erzählen, der sich an seine frühe Vergangenheit erinnert?“
ASP: „Das finde ich sehr schön und man kann es auch so interpretieren, aber es ist Krabat der zurückkehrt. Daher gab es aber auch in der Entstehung des Songs einige Unklarheiten, weswegen Eric und ich die Gesänge auch tauschen mussten, da es sonst nicht mehr gestimmt hätte, da ich ja die Stimme von Krabat übernommen habe. Das war für mich zuerst ein großes Problem, da mir zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz klar war, wie die Erlebnisse, die zwischen dem Verlassen der Mühle und der Rückkehr liegen, ablaufen werden. Daher ist es die Geschichte, wie Krabat verändert zur Mühle zurückkehrt, denn darum geht es bei mir sehr viel, dass er Ausziehen muss und sich mit den schwarzen Künsten befassen muss um den Müllermeister zu besiegen. Mir war es sehr wichtig die Frage aufzuwerfen, wie stark ist es mit dem „Der Zweck heiligt die Mittel“, wie viel Böses darf man tun um das Böse zu besiegen. Ich möchte dies auch gar nicht wertend abschließen, sondern nur die Frage aufwerfen. Ich wollte auch, dass mein Held Krabat daran auch innerlich ein wenig zerbricht und verzweifelt.“

 

Carsten: „Die beiden Duette die du gemacht hast, einmal mit Eric Fish einmal mit der ehemaligen Faun Sängerin Lisa Pawalke gemacht, wie sind die Kontakte zustande gekommen und warum hast du die beiden ausgewählt?“
ASP: „Grundsätzlich war die Entstehung bei beiden ganz unterschiedlich. Eric habe ich auf der Release Party von Chamber kennen gelernt. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie dort der Kontakt zustande kam, ich glaube Eric mochte die Chamber Platte sehr gerne. Dort haben wir uns kennen gelernt und uns ein bisschen skeptisch begutachtet. Wir haben uns dann aber später über Musik die wir beide gut fanden völlig in Rage geredet. Das war ein ganz toller Abend an dem er später sogar noch die Gitarre ausgepackt hat und wir zweistimmig Lieder gesungen haben und das war einfach ganz toll. Und ab dem Moment war mir ganz klar, dass ich mit ihm einen Song aufnehmen möchte. Und der „Zaubererbruder“ war dann einfach ein ganz magischer Moment, dass hätte nur er auch machen dürfen…“
Kurze Pause
Carsten: „Hast du denn…“
ASP: „Ich mache noch gerade einmal einen Schlenker, denn ich möchte das Lisa hier nicht zu kurz kommt. Ich habe damals das Faun Album „Renaissance“ empfohlen bekommen, ich habe vorher Faun gar nicht gekannt. Ich war dann aber einfach hin und weg von dieser Stimme und ich bin es auch jetzt noch. Ich habe mich richtig platonisch verliebt in Lisas Stimme. Ich habe dann auch versucht einen Kontakt herzustellen und habe rum gebettelt, denn mir war klar nur diese Stimme kann die Kantorka sein und sie hat es dann auch Gott sei Dank gemacht. Wir haben uns dann kennen gelernt und waren uns auch sympathisch was nicht selbstverständlich ist. Es war einfach wunderschön und es passiert nicht oft, dass man im Studio steht und man dann so tief berührt ist von einem Lied. Es war ebenfalls ein ganz magischer Moment. So jetzt zur nächsten Frage!“

 

Carsten: „Hattest du Kontakt zu Ottfried Preußler oder gab es eine Reaktion von ihm auf das Album?“
ASP: „Es gab über Dritte Kontakt, also es ist bei der Familie bekannt, dass wir das gemacht haben. Ottfried Preußler ist ja mittlerweile hoch betagt und die Familie verwaltet seine Geschichten und Geschäfte. Es ist ihnen halt bekannt und es wurde auch angedeutet, dass es schön sei, wenn jemanden die Geschichte so bewegt, dass er ein solches Projekt macht. Aber, und das kann ich sehr gut verstehen, dass wenn man in einem so hohen Alter ist, die Hörgewohnheiten doch sehr anders sind und man dann nicht mehr bereit ist sich so was anzuhören und das ist bestimmt dann auch kein böser Wille. Ich möchte mich da auch gar nicht mit fremden Federn schmücken, denn diese Platte hätte es ohne Ottfried Preußler sicherlich nicht gegeben.“

 

Carsten: „Am letzten Donnerstag ist der Film „Krabat“ in die Kinos gekommen. Hattest du mal über eine Zusammenarbeit, sprich an die Filmmusik gedacht?“
ASP: „Ich selber nicht, aber es gibt ja auch noch andere Leute die sich um unsere Veröffentlichungen kümmern und der Verlag hatte da einmal angefragt, aber die weniger Interesse als die Produktionsfirma kann man auch gar nicht zeigen. Ich persönlich bin da nicht böse drum, weil ich nur mit Dingen in Verbindung gebracht werden möchte, die ich persönlich toll finde und da ich den Film nicht hätte vorher sehen können, setzt man bei so was wie in einem Glücksspiel drauf. Natürlich ist durch die Film die Aufmerksamkeit sehr groß, was das Thema Krabat angeht und daher war es uns auch sehr wichtig, dass wie die Platte vorher fertig bekommen haben, damit wir nicht den Eindruck erwecken, wir würden uns auf diesen Zug jetzt einfach drauf setzen.“

 

Carsten: „Kannst du dir vorstellen noch einmal ein literarisches Werk musikalisch zu interpretieren?“
ASP: „Es gibt da unzählige Sachen, aber man muss nicht, nur weil eine Sache gut funktioniert hat, so was noch mal kopieren. Mir ist es als Geschichtenerzähler aber auch weiterhin sehr wichtig weitere eigene Geschichten zu erzählen und das möchte ich jetzt erstmal wieder tun. Was ich mir aber viel mehr vorstellen könnte, einmal mit einem Schriftsteller zusammen zu arbeiten und sich so etwas schon in der Entstehung einer Geschichte schon befruchten kann.“

 
Carsten: „Die beiden Konzerte hier in Bochum sind ja sozusagen das Bergfest auf dieser Tour.“
ASP: „Wie soll ich den Rest nur schaffen…“
 

Carsten: „Wie geht es dir und welche Erfahrungen und Eindrücke konntest du bislang sammeln?“
ASP: „Jeder Abend ist etwas besonderes das ist klar. Es gibt jetzt schon wieder so viele unvergessliche Momente. Für mich war aber z.B. besonders schön das Konzert im Haus Auensee, dass ist einfach so eine tolle Location, wo alles sehr andächtig gewesen ist. Das Publikum hier in Bochum ist einfach viel partyfreudiger. Von der Atmosphäre etwas, was einem kalte Schauer über den Rücken gejagt hat.“

 

Carsten: „Auf der aktuellen Tour hast du vier Gastmusiker mit dabei. Kannst du uns die vier einmal kurz vorstellen und aus welchen Gründen hast du sie ausgesucht?“
ASP: „Als erstes überlegt man sich, wie soll das gesamt Konzept musikalisch aussehen und dann schaut man wie man das am besten harmonisch umsetzten kann und besetzten kann. Man sucht sich erstmal die Instrumente raus, die man gerne besetzt sähe. Wir wollten unbedingt ein Cello und eine Geige dabei haben, um ein Streichersegment zu haben, was sehr schöne warme Klänge macht. Da haben wie die Sylvia Eulitz die aus Berlin kommt über die Ally, die schon ein paar Mal bei uns aufgetaucht ist, kennen gelernt. Ally selber war natürlich auch dabei und es ist wie immer ein großes Vergnügen sie dabei zu haben. Dann haben wir Carlos dabei, er macht die Percussions bei uns. Ihn haben wir über unsere Zusammenarbeit mit Hubert Kah kennen gelernt, mit dem wir im letzten Jahr beim WGT einen unplugged Auftritt hatten. Dass er an Bord sein soll das wussten wir von Anfang an, denn er ist einfach unglaublich begabt und unglaublich spielfreudig und bringt sehr viel Energie mit rein. Und dann haben wir noch Thomas Zöller mit an Bord. Er hat ebenfalls schon auf der „Requiembryo“ und „Humility“ mitgewirkt. Es spielt Boarderpipe, Smallpipe und Highlandpipe, sowie verschiedene Flöten und die Drehleier. Mir war es dann sehr wichtig, dass es a) zu dem Krabatthema passt und b), dass es zu dem sehr klassischen Arrangements von der „Once in a lifetime“ Akustik-Tour sollte das Element Folkmusik eine deutlich größerer Rolle spielen.“

 

Carsten: „Du hast gerade die „Once in a lifetime – Tour“ angesprochen. Wir haben uns vor gut zwei Jahren auf dem Mülheimer Castle Rock schon einmal unterhalten können und dort sagtest du mir, dass die Once in a lifetime – Tour als unplugged-Tour eine einmalige Sache gewesen sei. Wie kam es nun dazu eine erneute unplugged-Tour zu machen?“
ASP: „Was ändert sich jetzt daran, dass es eine einmalige Sache war. Man kann ja viele Dinge einmal im Leben tun und ich werde es nachher auf der Bühne noch mal erklären, das diese Konstellation mit einer befreundeten Band zusammen ein großes Ensemble zu bilden und eigene Songs zu spielen, dass war das einmalige daran. Das würde es in dieser Besetzung nie wieder geben, genauso wie das wahrscheinlich auch eine einmalige Sache bleibt, weil es sehr schwierig würde diese Musiker noch einmal zusammen auf eine Bühne zu bringen, die ja auch alle ihre eigenen Projekte haben.“

 
Carsten: „Dir ging es also viel mehr um die Einmaligkeit des Projekts nicht um die Einmaligkeit unplugged zu spielen.“
ASP: „Genau, dafür macht es uns auch viel zu viel Spaß!“
 

Carsten: „Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit fasse ich meine letzten beiden Fragen zusammen. Die Reihe des schwarzen Schmetterlings ist abgeschlossen und du hast im Zaubererbruder Booklet einen finsteren ASP-Zyklus angekündigt. Kannst du unseren Lesern schon etwas darüber verraten und das du bitte mit ein paar abschließende Worte für unsere Leser zusammenfassen?“
ASP: „Also was jetzt als erstes passieren wird ist die Veröffentlichung unsere Live-CD zum Jahresende. Wir gehen nächstes Jahr in das zehnte ASP Jahr und da ist es an der Zeit zum einem einen Blick zurück zuwerfen, das haben wir mit der „Horror Vacui“ am Anfang des Jahres schon begonnen und es war von Anfang an ein großer Wunsch der Fans, dass es endlich ein Livealbum geben soll. Und die Aufnahmen von der letzten Tour waren so gut, dass wir sie veröffentlichen wollen. Heute werdet ihr hier auch eine Menge Kameras sehen, denn wir sind noch einen Schritt weiter gegangen mit einer DVD Produktion. Es wird eine Zaubererbruder DVD geben, falls die Aufnahmen gut werden, wir sind da immer sehr streng mit uns selbst und wenn sie es werden, werden wir in etwa einem Jahr das Ergebnis sehen. Das heißt da wird schon ne Menge los sein, doch Vorrang vor allem anderen hat das neue Album. Aber nach dieser Tour werde ich erstmal zwei Monate lang gar nichts tun. Ich werde nichts tun, außer mich mit einem Notizbuch bewaffnet in der Gegend rum zutreiben und schauen was mir so einfällt. Ich habe schon ein paar Ideen kann aber noch gar nichts konkretes verraten, weil Songschreiben habe ich gemerkt ich möchte das erstmal wieder etwas Ruhe einkehrt und ich das ganze auch genießen kann und man nicht nur so vor sich hinarbeitet. Diese starke Produktionsjahr, mit zwei Touren, da sind wir alle körperlich und geistig an Grenzen gestoßen. Wir wussten, dass das passieren kann und ich möchte mich jetzt einfach wieder gesund und in Form bekommen. Ich fühle mich zehn Jahre älter als ich bin und das möchte ich nicht auf Dauer haben. Und das ist das primäre Ziel. Zehn Jahre sind eine lange Zeit und da muss man auch mal stehen bleiben, kurz zurückschauen welchen Weg man gegangen ist und schauen, ob man ein paar Sachen ändern kann. Das Projekt ASP ist doch mittlerweile recht bekannt geworden, dass ist mir aufgefallen und da muss man schauen, ob sich Sachen eingeschlichen haben, die man vielleicht verbessern kann.“

 
 
An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an ASP für das Interview so kurz vor Konzertbeginn und dies trotz angeschlagener Stimme!
 
Interview geführt von .Carsten Terres .[ face2face ]
Bilder:.Carsten Terres [ totale ], Sandro Griesbach [ portrait ]
Homepage Künstler: .www.thetalesofasp.com