Interview mit Agonoize auf dem 23 Dark Dance Treffen in Lahr, 22. 09. 2007. [ face to face ]
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Tradition verbindet, ob nun darkmoments und die Band Agonoize, oder selbige mit diversen Zahlenspielereien wie bei ihrem neuen Output "sieben", welcher ab dem 09. November diesen Jahres unbedingt euere CD Sammlung bereichern sollte. Warum man seitens der Band einen Antrag auf eine freie Religionsgemeinschaft gestellt hat und weshalb die 3 Berliner auch als Blutüberströmte, über die Bühne hoppelnde, Pandabärchen angepriesen werden und noch viel mehr erfahrt ihr in diesem Interview, welches Star Reporter Oliver Tanson exklusiv für euch geführt hat.

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Oliver Tanson: Wenn man Bands über die Tour befragt, äußern die einen sich über den Stress, die anderen über den Spaß den sie erlebt haben. Wie ist es bei Euch?
Oli: Wir hatten erst im letzten Jahr unsere letzte Tour hinter uns. Es war Stress pur, aber hinterher, also nach dem letzten Konzert, saßen wir im Bus und sagten uns "Mann, war das doch geil!“

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Oliver Tanson: Wie ist das Projekt „Agonoize“ entstanden?
Chris: Privat kennen wir uns alle schon seit ein paar Jahren. Mike ist Tätowierer und ich bin Piercer. Dann habe ich mal bei ihm im Laden ausgeholfen und an irgendeinem Abend saßen wir dann gemeinsam in einer Bar und hatten die Idee, etwas zusammen zu machen. Da wir ja auch alle schon andere musikalische Projekte hatten, kam es dann zu dem Entschluss, quasi aus einer Bierlaune heraus.
Oli:
Ja, kann man so sagen…nach den acht Weizen. (alle lachen)

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Oliver Tanson: Welche Aufschrift hätte die Schublade in der sich Eure Musik befinden würde?
Chris: Splatter Disco! Ja, das ist mein Lieblings-Ausdruck dafür. Wir kategorisieren uns selber nicht so gerne, deswegen haben wir diesen Stil kreiert. Er beschreibt ganz gut, was wir machen: clubtaugliche Musik mit Blut gespickten Show-Elementen.
Mike:
Harter, schwerer Electro mit verzerrten Vocals.

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Oliver Tanson: Welches sind denn Eure musikalischen Einflüsse?
Mike: Haben wir eigentlich keine. Wir haben mit der Zeit einfach unseren eigenen Sound gefunden.
Chris:
Wir haben unseren eigenen Sound. Der Meinung bin ich auch. Sicher unterliegt man immer etwas dem Einfluss der Musik, welche man auch privat gern konsumiert. Aber bewusst lassen wir diese bei Agonoize eher außen vor.
Oli:
Also, Chris und ich lieben zum Beispiel die Nine Inch Nails, trotzdem würde ich nicht sagen, die Musik hat uns beeinflusst, in keinster Weise.

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Oliver Tanson: Ein Kunde eines großen online-shops über Agonoize : „...dümmliche Texte und dazu eine verzerrte Stimme, fertig ist die *böse* Musik aus dem Baukasten. Der Schweißerbrillentragenden XTraX Generation gefällts. Eigene Ideen sucht man bei Agonoize vergebens. die peinlichen Live-Auftritte bei denen sie, geschminkt wie Pandabärchen, Blutüberströmt über die Bühne hoppeln, tun ihr übriges zum lächerlichen Gesamtbild.“ Wie reagiert man auf solch eine Kritik?
Chris: Willst du eine ehrliche Antwort haben? Es geht uns total am Arsch vorbei. Ich glaube, noch nie hat eine Band aus unserem Genre dermaßen die Szene gespalten. Wir hatten vorher alle andere Projekte, dass heißt wir sind weder als Newcomer noch als vollwertige Band behandelt worden. Wir hatten von Anfang an einen schweren Stand, auch dadurch bedingt, dass wir damals die erste Platte bei einem Ami-Label rausgebracht hatten. Die Leute haben uns gehasst oder sie haben uns geliebt, aber es gab nichts dazwischen irgendwie. Und ich meine, na klar… Musik kann man heutzutage nicht neu erfinden, ob man sich zum Beispiel die Popstars anhört, da ist auch nichts neu. Die Zeit für neue große Musik oder Innovationen wie Depeche Mode oder die Rolling Stones, so was kann man heute nicht mehr schaffen. Natürlich, wenn man Vergleiche sucht, wird man diese auch immer finden, bei jeder Band, egal in welchem Genre. Wir haben auch nie behauptet, wir würden einen neuen revolutionären Sound machen, sondern wir haben einfach Spaß. Ich glaube, was bei uns auch sehr wichtig ist; wir waren immer authentisch, auch wenn wir eben wie blutbeschmierte Pandabärchen über die Bühne gehüpft sind. Wir haben auch noch nie von den Leuten verlangt, uns zu ernst zu nehmen, sondern wir machen unsere Musik immer mit einem Augenzwinkern.
Oli: An dieser Aussage erkennt man auch, dass jener, der dies geschrieben hat, lediglich den Song "Koprolalie" kennt. Denn wenn er sich etwas damit auseinandersetzen würde, hätte er sich mal das ganze Album angehört und wäre vielleicht anderer Meinung.
Chris: Natürlich war am Anfang alles etwas platt und wir haben von uns auch nie behauptet Dichter oder Poeten zu sein. Aber ich muss auch sagen, dass zum Beispiel unsere Texte im Vergleich zur Anfangszeit gereift sind. Auch wachsen bei uns ja mit der Zeit die Ansprüche an uns selber, ganz klar. Die Leute sollten einfach nicht alles so bierernst nehmen. Man sollte den Spaß an der ganzen Sache nicht vergessen. Man sollte uns einfach nur objektiv behandeln, logisch dass man mit unserer Art Musik nicht jeden treffen kann, aber das wollen wir ja auch gar nicht. Ich denke, unsere Fans wissen, was sie an Agonoize schätzen und das ist uns wichtig!

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Oliver Tanson: Auf den ersten Blick können die Texte eher platt wirken. Auf den zweiten sieht man auch ernstere Hintergründe... Beispiel „Koprolalie“.
Chris:
Ja, ganz klar, weil es eigentlich um eine Krankheit geht, was leider viele Leute halt nicht verstehen. Ich finde, wenn wir schon platte Phrasen dreschen, dann sollten diese wenigstens einen Hintergrund haben. Der Song ist entstanden, als wir mal einen Bericht im Fernsehen über jemanden, der das Touret-Syndrom hatte, gesehen haben. Der Mann war so sympathisch, so hoch intelligent, auch seine Frau ist so locker und charmant mit seiner Krankheit umgegangen, dass wir uns einfach gedacht haben einen Song darüber zu machen. Wir dachten, wie verpacken wir das ganze jetzt am besten, passend in Verbindung mit unserem Sarkasmus und der Musik? Ja, so ist "Koprolalie" entstanden. Im Nachhinein eher traurig, dass das Stück nur mit „Fick mich“ in Verbindung gebracht wird.
Oli:
Komischerweise war das unser erster Song mit einem, dem ersten Anschein nach, recht platten Text und er hat sich zu einem richtigen Burner entwickelt. Die DJs gaben uns alle Feedback, klasse Song, die Leute gehen so drauf ab.
Chris:
Es ist wohl der am meisten nachgefragteste Songs bei den DJs in den letzten 15 Monaten gewesen und selbst die DJs aus Hamburg spielen mittlerweile Agonoize rauf und runter, weil sie der Masse nachgeben müssen. (lacht)
Oli:
Man sollte den Song nicht zu ernst nehmen. Es geht in erster Linie um Spaß und diesen hatte der Mann in der Dokumentation auch. Er hat seine Krankheit nicht so ernst genommen und ist voll locker damit umgegangen. Das soll der Song vermitteln.
Chris:
Selbst wenn von 100 Leuten, die "Koprolalie" hören, sich auch nur drei hinsetzen und bei Wikipedia nachschauen, was "Koprolalie" bedeutet, haben wir für die Pisa-Studie doch einen wunderbaren Beitrag geleistet. (zwinkert)

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Oliver Tanson: Wie könnte man das neue Album „Sieben“ am besten beschreiben?
Chris:
Ich denke, dass wir mit "Sieben" ein ziemlich abwechslungsreiches Album geschaffen haben. Ich persönlich fand die vorherigen Alben schon teilweise etwas monoton und finde das dieses jetzt wesentlich ausgewogener ist. "Sieben" wird ja als 2CD erscheinen. Auf der zweiten CD wird es zum Beispiel keine Massen an Remixe zu hören geben, sondern explizit unveröffentlichte Stücke, also nur eigene Kompositionen. Außerdem wird es eine edle 3 CD Box mit einer zusätzlichen Bonus-Shape-CD und einigen Specials geben.

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Oliver Tanson: Was sind die 3 Gründe, warum man die CD unbedingt kaufen müsste?
Chris:
…weil sie phantastisch ist und das Beste, was wir je gemacht haben.

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Oliver Tanson: Ihr habt die neuen Songs erst vor kurzem das erste Mal live präsentiert. Wie waren die Reaktionen?
Chris:
Eigentlich ganz gut, unser halber Fan-Club war da. Das Konzert war in Spremberg bei Cottbus. Da sind die Leute extra aus dem Ruhrgebiet, aus Hamburg oder aus Hessen gekommen. Es war eine super Stimmung. Wir hatten bei myspace bereits zwei neue Songs online gestellt, damit die Leute nicht ganz so unvorbereitet sind, quasi als kleinen Appetizer, was sie erwartet.

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Oliver Tanson: Gibt es Unterschiede zu den bisherigen Alben?
Oli:
Also, ich finde, dass unser neuer Output "Sieben" einfach kompromissloser ist, als beispielsweiße noch "999". Einfach härter und kraftvoller.
Chris:
Bisher hatten wir erst drei deutsche Stücke veröffentlicht und hier sind jetzt insgesamt fünf deutsprachige Songs vertreten, zählt man "Koprolalie" mit.
Mike:
Ich finde unser neues Album auch sehr gut und sehe es als Fortschritt zu den Vorgänger-Alben.
Chris:
Wir wollten uns weiterentwickeln und trotzdem unserem Sound treu bleiben. Ich denke, auch das ist ein wichtiger Aspekt.

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Oliver Tanson: „Sieben“ – was hat der Titel zu bedeuten?
Chris:
Wie du vielleicht schon bemerkt hast, spielen wir sehr gern mit Zahlen und die 7 ist ja auch eine magische Zahl, bzw. spielt in der Religion eine übergeordnete Rolle. Des weiteren kommt hinzu, dass es unsere siebte Veröffentlichung ist. Es soll auch ein paar Hinweise im Booklet darauf geben. Vielleicht lohnt es sich ja, dieses dann mal etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

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Oliver Tanson: Einer der Songs, die wohl am ersten auffallen ist "Femme Fatale". Welcher Hintergrund gibt’s zum Song?
Chris:
Den Namen haben wir gewählt, weil uns Schlampen-Song einfach zu billig war. (alle lachen)
Oli:
Nein, auf keinen Fall, das geht mal gar nicht!
Chris:
Im Prinzip geht es in diesem Song um Pornografie, um dominierende Frauen, die einfach meinen, sie müssten etwas mit ihren Titten und ihren Arsch wackeln und könnten damit jeden Mann haben. Er ist für alle Schlampen in dieser Welt!

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Oliver Tanson: ... dieser Song hat keine persönliche Note?
Chris:
Nicht wirklich. Mir sind zwar schon einige knackige Hintern begegnet, aber nicht so knackig, dass ich willenlos meinen Verstand dabei verloren hätte. Aber ich kenne schon viele Frauen, die nach dem Text dieses Stückes arbeiten.

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Oiver Tanson: Welche Platzierung wird das Album womöglich in den DAC Charts erreichen?
Chris:
Ich denke schon, dass wir in die DAC Charts kommen. Wie hoch, kann man natürlich vorher nicht abschätzen. Ursprünglich wollten wir das Album im September veröffentlichen. Durch den Umzug von Mikes Studio und meinem Unfall hat sich das aber alles etwas nach hinten verschoben. Jetzt im November kommt natürlich eine Flut an Veröffentlichungen auf den Markt, so dass es natürlich schwer ist, etwas vorhersagen zu können. Wir werden sehen, wie die Leute reagieren und warten gespannt ab, ohne uns selber zu überschätzen. Natürlich würden wir uns über eine gute Platzierung freuen.

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Oliver Tanson: Hat es einen Grund warum Chris sämtliche Texte schreibt?
Oli:
Am Anfang hatten wir ja etwas probiert, so hatte Mike als auch ich ein paar Texte geschrieben. Letztendlich kamen wir aber zu der Entscheidung, dass Chris alle Texte schreiben sollte, da er sie am Ende auch live auf der Bühne präsentieren muss.

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Oliver Tanson: Viele Leute sehen in der Musik nichts anderes als die Möglichkeit abzutanzen. Andere hören sehr auf die Texte. „Glaubenskrieger“ und „Unchained“ sind die eher seriöseren und bedenklicheren Songs; also „Agonoize“ nicht nur zum Feiern...
Chris:
Das ist eine sehr gute Frage! Viele Leute, die in die Club gehen, um zu feiern, achten einfach nicht so auf die Texte, deswegen ist es auch wichtig, dass ein Text, der eine Aussage hat, gut groovt. Und wenn sich die Leute dann doch damit auseinander setzen, finden wir das natürlich sehr schön, was aber nicht im Vordergrund stehen soll. „Glaubenskrieger“ ist für mich persönlich ein sehr wichtiger Song, denn wenn man so sieht, dass Menschen aus ihrem religiösen Fanatismus heraus töten oder die Religion sagt, das musst du machen und das, kann dies einfach nicht angehen. Zugegeben ist Religion schon eines meiner Lieblings-Themen, da ich persönlich nicht an Gott glaube, aber der Meinung bin, nicht an Gott glauben zu müssen, um frei meine Meinung darüber sagen zu können. Ich denke, dass in der heutigen Zeit viele Jugendliche nicht mehr der Kirche beitreten, weil sie sich einfach nichts mehr vorschreiben lassen wollen und keine Ideale mehr haben. Mit Vorschriften kommt man in der heutigen offenen Zeit einfach nicht mehr weiter und erhält dann nur Trotzreaktionen. Ich persönlich habe nichts gegen Glauben. So wie ich selbst nicht an Gott glaube, muss ich natürlich auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die dies tun. Nur dass eine Institution versucht durch Unterdrückung Menschen gefügig zu machen, das ist ein Thema, welches ich in meinen Songs sehr gern aufgreife, weil es einfach nicht sein darf.

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Oliver Tanson: Aber die Leute die an Gott glauben sehen in ihm eine Kraft wo man sich festzuhalten kann...
Chris:
Das wollte ich damit nicht sagen. Glauben kann auch etwas sehr Gutes sein und Menschen Halt geben. Aber in dem Moment, wo er zu Fanatismus wird, kann er sehr gefährlich werden.

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Oliver Tanson: Wo findest du deinen Halt im Leben?
Chris:
Ich habe einen sehr guten Freundeskreis, ein sehr gutes Umfeld und ein gutes Selbstvertrauen und das ist das, was man zum Leben benötigt. Es ist meiner Meinung nach viel wichtiger an sich selbst zu glauben, als an eine Institution.

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Oliver Tanson: Was alles kann man von Euch auf der bevorstehenden Tour erwarten?
Chris:
Splatter Disco! Ich denke, Leute, die uns noch nicht gesehen haben, sollten sich unsere Show schon anschauen. Wir bieten eine sehr energiegeladene Show mit einigen erfrischenden Einlagen. Letztendlich sind wie immer bemüht, dass die Besucher unserer Konzerte zufrieden nach Hause gehen.
Oli:
Ich denke, die Leute, die zu unseren Show kommen, wissen schon, dass sie nicht unbedingt die lyrischen Vorträge bekommen, sondern sie wollen einfach mit uns Spaß haben und feiern.

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Oliver Tanson: Letzte Frage: was werden Euren nächsten Projekte sein? DVD, Website,…
Chris:
Wir hatten irgendwie immer Pech mit unserer Website. Der letzte Webmaster hat immer nur Geld kassiert, aber dann nichts mehr gemacht. Das war schon sehr traurig. Die Website wird auf jeden Fall neu angeordnet. Außerdem haben wir den Antrag gestellt auf eine freie Religions-Gemeinschaft. Mal schauen, ob wir damit durchkommen. Aber auch das sollte man nicht zu ernst nehmen. Wir arbeiten fleißig an neuem Material. Eine DVD ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht in Planung. Da unsere Show sehr aufwendig ist und die Planung einen sehr langen Vorlauf benötigt, wird es wohl erst zu 2009 hin eine DVD geben. Ansonsten wollen wir uns nächstes Jahr mal live etwas in Deutschland rar machen und eher den ausländischen Bereich bereisen, zum Beispiel Südamerika oder Russland. Maximal werden wir in Deutschland ein paar Festivals bespielen und uns sonst mal wieder auf die Studioarbeit konzentrieren.

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Der fast wortwörtliche Skript erfolgte durch die Redakteure von darkmoments.de. Wir empfehlen außerdem einen Besuch der Seite von Oliver Tanson, wo interessante Auszüge aus dem Interview als mp3 zu hören sind. Des weiteren gibt es dort auch noch eine best off Galerie der Band und zahlreiche Interview-Bilder. [ link ]

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© Oliver Tanson [ www.olivertanson.com ]
© Promobilder Sandro Griesbach