Lea: Wie waren die
bisherigen Reaktionen der Fans und Medien?
Wille:
The
Jade packen dich oder nicht. Entweder mag man uns oder
nicht. Wie auch immer, die Leute, die uns nicht mögen,
sagen dennoch, dass wir sehr professionell klingen. Erst
kürzlich haben wir eine großartige Rezension vom
Magazin Varusmies erhalten. Na komm, es geht
hier immerhin um ein Magazin über Finnlands Militär.
Pekko: Wir
haben bisher noch nicht so viele Rezensionen gesehen,
aber die meisten Reviews, die wir zu Gesicht bekommen
haben, waren gut. Nur ein paar wenige Personen mochten
das Album nicht. Ich denke, so soll es auch sein. Die
Hörer scheinen die Platte jedenfalls zu mögen und das
ist es, was zählt. Ich hoffe, sie werden sich auch das
Album zulegen.
Jann: Ja,
die Reaktionen waren bisher sehr cool. Die Fans sind
immer großartig. Es sollte allerdings mehr Medieneinsatz
geben. Bisher habe ich nur wenige schlechte Reviews
gefunden. In einer hatte der Schreiber eine wirklich
seltsame Einstellung. Er wollte über persönliche Dinge
meckern und so. Das hat allerdings nichts mit der Musik
selbst zu tun, somit war ich nicht wirklich glücklich
darüber. Dennoch, es scheint, das Karma hat seine Arbeit
getan. Ich habe gehört, dass etwas seltsames mit dem
Schreiber passiert ist und er nun nicht mehr schreiben
kann. Wenn wir die Bühne entern, beginnen die Lieder ihr
eigenes Leben zu führen. Und das zeigt, dass die Songs
stark sind.
Lea: Das Album wurde in den Seawolf Studios aufgenommen.
Dort habt ihr hauptsächlich mit Petri Majuri und Hannu
Leiden zusammengearbeitet. Wie hat das funktioniert?
Wille:
Hannu
Leiden hat die Platte aufgenommen und war eine große
Beeinflussung bei den Gesangsaufnahmen. Er arbeitet im
Grunde schon seit Jahrzehnten mit jedem im finnischen
Musikbusiness zusammen. Aus diesem Grund wusste er genau,
was er tut. Hannu ist ein sehr geduldiger und
professioneller Mann und hatte sehr effektive Ideen für
den Gesang. Wir sind so froh darüber, dass er sich
bereit erklärt hat, mit uns zusammen an unserem Album zu
arbeiten.
Pekko:
Hannu
Leiden hatte ebenso zahlreiche Ideen, nachdem die Basis-Tracks
aufgenommen waren. Er brachte zudem diese coole 12-seitige
Tom Petty Rickenbacker Gitarre mit ins Studio, die ich
letztendlich für viele Songs eingesetzt habe. Petri
Majuri war federführend bei den Aufnahmen der Rhythmus-Tracks
und hat mit uns das Album vervollständigt. Nach der
ersten Aufnahmewoche haben wir lange Zeit mit ihm
zusammengesessen, die Lieder angehört, editiert,
gemischt und endlich auch gemastert. Er ist ein
brillanter Mann! Jann: Es war durchgängig toll, wir
hörten großartige Geschichten und kamen alle sehr gut
miteinander aus. Es ist ein tolles Studio und die Jungs
waren großartig.
Lea: Auf eurer
Webseite steht, dass ihr rund 30 Demo-Songs aufgenommen
hattet. Wie habt ihr entschieden, welcher Song
letztendlich Teil des Albums wird?
Wille:
Wir
haben fast alle unsere Songs gleich gern. Aus diesem
Grund ließen wir unseren Boss vom Plattenlabel
entscheiden, welche Lieder aufs Album kommen. Aber es
gibt immer noch jede Menge qualitatives Material in
unserem Repertoire, was noch übrig ist.
Pekko:
Ja, eigentlich hatten wir zusammen entschieden, dass es
auch einige Demo-Songs gibt, die einfach zu brilliant
waren, um sie nur auf dem Demo-Level zu halten. Sie
mussten einfach nochmals neu in einem vernünftigen
Studio mit diesen großartigen Jungs, Hannu und Petri,
aufgenommen werden. Aber die Songs auszuwählen, war
nicht wirklich einfach.
Lea: Einige der
Songs wurden bereits auf früheren CDs veröffentlicht.
Wie aber garantiert ihr, dass sich niemand langweilt,
wenn er die gleichen Songs nochmals auf dem Debüt-Album
hört?
Wille:
Die
Songs haben sich im Vergleich zu den älteren Versionen
sehr stark verändert. Zusätzlich sind viele komplett
neue Songs auf dem Album zu finden. 14 Stück. Die Fans
werden also sehr viel mehr als nur ein paar
neuaufgenommene Lieder bekommen.
Pekko: Wir
garantieren nie etwas. Das wäre nicht besonders klug.
Und dennoch, wenn jemand nur die original Demo-Versionen
einiger Songs kennt, zum Beispiel von Myspace, der wird
noch nicht die neuen Versionen gehört haben, welche
total professionell arrangiert, gespielt und aufgenommen
wurden. Und einige von ihnen wurden gar umgeschrieben.
Zudem konnte man die Songs von unserer vorherigen
selbstproduzierten EP Slow Motions On The Fast
Lanes nur auf unseren Seiten anhören, somit gibt
es Millionen von Menschen, die diese Lieder noch nie
zuvor gehört haben.
Jann: Ja,
die Jungs haben Recht. Nun, wenn eine Band wie wir einen
Plattendeal bekommt, sind es im Grunde die Demosongs, in
die sich das Label verliebt. Somit wollen sie diese auf
dem Album haben. Für uns war das okay, und um zu zeigen,
dass es uns wichtig ist, wollten wir auch ein paar neue
Songs für diejenigen hinzufügen, die von Anfang an für
uns da waren. Es tut mir Leid, aber wir hatten nicht
genug Platz, um 100 Lieder auf das Album zu packen.
Lea: Sind die
Lieder auf dem Album in irgendeiner Weise miteinander
verbunden?
Wille:
Sie
sind eine Einheit und darum ist das Album echt cool.
Lea: Und wo besteht
die Verbindung zum Albumtitel Seconds Away From
Salvation?
Wille:
Das
überlasse ich der Vorstellungskraft unserer Fans, aber
denk einfach drüber nach. Wie würdest du dich fühlen,
wenn du nur Sekunden von der persönlichen Erlösung
deines Lebens entfernt wärest? Ich wette begierig.
Pekko: Wenn
sich die Menschen Zeit nehmen wollen, die Songtexte zu
lesen oder anzuhören, werden sie garantiert die
Verbindung zum Titel herausfinden.
Jann: Das
ist richtig. Zudem kann man es auch auf die komplette
Geschichte von Berninis Skulptur The Ectasy Of St.
Theresa übertragen.
Lea: Was sind eure
persönlichen Highlights auf dem Album und warum?
Wille:
Everlasting
Memorial, Yesterday´s Rain,
King´s Cross um nur einige
eingängige Lieder mit perfekten Texten zu nennen.
Pekko: Jeder
Song, den ich geschrieben habe, ist ein Highlight. Zudem
mag ich wirklich die Gitarren in jedem Lied. Sie klingen
einfach genau so, wie sie klingen sollten.
Jann:
Insgesamt finde ich den Weg toll, wie ich die Dinge
angegangen bin. Manchmal möchte ich eine Menge mit dem
Bass machen, da ein kleines Jazz-Arschloch in
mir steckt, aber am Ende habe ich nur das gemacht, was
fürs Lied am besten ist. Ich mag meinen Groove in
Solitary Soul und The Flame, zum
Beispiel. Dies und das in Beautiful Things
ist auch einfach cool. Ich mag alles, was die Jungs mit
Roses Are Burning auf dem Album gemacht haben
einfach cool gesungen und gespielt.
Lea: Für eure
zweite Single It`s A Sin habt ihr eurer
erstes offizielles Musikvideo gedreht, das wirklich cool
geworden ist. Erzählt uns ein wenig über die Story!
Wille:
Die
Idee kam vom Videodirektor und zunächst waren wir ein
wenig geschockt, weil es aussah, als würde es ein
Horrorvideo werden. Wir haben hin und her überlegt. Im
Video präsentiert der Schauspieler Ismo Kallio einen
alten Mann, der von seinen Ängsten aus der Zukunft und
Vergangenheit verfolgt wird, die sich auf sein Leben
beziehen. Wir haben das Video in einem echten alten Haus
gedreht und es mit einigen Kerzen dekoriert. Es war total
kalt dort, aber cool!
Jann:
Ich finde das Video nicht so cool.
Lea: Gibt es irgendwelche Anekdoten von den Filmaufnahmen
zu berichten?
Pekko:
Da
gibt es nicht so viele, wenn ich mich recht entsinne.
Aber wie Wille erwähnt hat, war es verdammt kalt in dem
Haus, somit mussten wir alle während der Filmaufnahmen
ein wenig leiden...
Jann: Aber
die Fleischbällchen waren gut.
Lea: Hattet ihr die Gelegenheit, auch eigene Ideen ins
Video mit einzubringen?
Wille:
Einige,
aber es ist fast ein Jahr her, dass wir das Video gedreht
haben, deshalb kann ich mich nicht mehr an die Ideen
erinnern.
Lea: Was ist mit
dem zweiten Videoclip zum Song King`s Cross?
Ich habe gehört, ihr seid nicht wirklich damit zufrieden.
Warum?
Wille: Die Idee hätte
besser sein können. Ich meine, ich bin stolz, wie The
Jade im Video performen, aber die Crew im Video sieht
seltsam aus. Niemand versteht, warum da fremde Personen
im Video auftauchen. Für mich ist es auch ein Rätsel.
Aber als Band im Video müssen wir uns für nichts
schämen. Eigentlich genau das Gegenteil.
Pekko: Der
Songtext von King`s Cross ist traurig und ich
schrieb ihn, als ich total verzweifelt war. Deshalb hasse
ich diesen idiotischen Humor im Video. Die Filmcrew hat
nicht auf uns gehört, deshalb ist nicht das aus dem
Video geworden, was wir erwartet haben.
Jann: Schau
dir nur diesen Typen an, der im Video herumspringt. Der
sieht doch wie ein Känguru aus. Zudem wurde die Band
rund 60 Mal mit verschieden Kameras aus unterschiedlichen
Perspektiven aufgenommen und nur ein Bruchteil davon wird
in dem Video gezeigt. Und dann noch nicht mal die besten
Parts. Außerdem verdient es den Song absolut nicht.
Lea: Wie würde das
Video ausschauen, wenn ihr es mit euren Ideen produziert
hättet?
Wille:
Es
wären einfach nur The Jade zu sehen und niemand anderes.
Pekko: Einige
Videoclips von Londons King`s Cross-Gebiet
wären ziemlich okay gewesen. Einige Britten schrieben
uns, dass wir genau das Feeling des King`s
Cross-Gebietes eingefangen hätten, deshalb
schätze ich, wären die Clips eine gute Idee gewesen.
Jann: Ich habe einst in
diesem Gebiet abgehangen, deshalb weiß ich, dass Pekko
zu 100 Prozent das Feeling eingefangen hat, als er den
Song schrieb. Es ist die schlechte Seite, King`s
Cross kann dir viele Gesichter zeigen. Es wäre
cool gewesen, in dem Video Straßengewalt, Prostituierte,
Drogen, Gangs und so weiter zu sehen, und mittendrin die
Band, die ihr Ding macht. Einfach ein gemütlicher
Samstag am King`s Cross mit deinen Kollegen.
Lea: Wie ist euer Bandstatus heutzutage in Finnland,
seitdem ihr die Charts geentert habt?
Wille: Ich denke nicht
viel darüber nach, weil es dich sonst verrückt macht.
Ehrgeiz ist eine großartige Sache, aber ich will nicht,
dass sie mich umbringt. Vielleicht solltest du mal
unserer Fans fragen. Es gibt viele Dinge, an die ich
lächelnd zurückdenke, wie unsere Chartpositionen der
vorherigen Singles.
Pekko:
Ich
habe keine Ahnung bezüglich des Status. Die Singles in
den Charts, überhaupt irgendwelche Chartpositionen oder
so scheinen am Ende nicht viel auszumachen. Für den
Moment ist es cool und dann ist es auch schon wieder weg.
Um einen gewissen Status zu erlangen, musst du jede Menge
Geld haben. Und ein brilliantes Team und einen Manager
bräuchte man auch. Das hat alles mit dem Business zu tun.
Jann: Ja, wir sind nicht
hier, um irgendeinen Status zu erlangen. Wir sind eine
Rock`n`Roll-Band. Im Grunde brauchst du 500.000 Euros, um
es in einem Jahr geschehen zu lassen. Wie auch immer, die
Band ist zu allem bereit. Wir sind stärker als je zuvor
und werden jederzeit noch stärker. Wir werden so oder so
hier sein: Umso eher jemand kommt, um so eher wird er
etwas draus machen.
Lea: Und wie ist es
für jemanden möglich, der in Deutschland lebt, an euer
Album zu kommen?
Wille:
Du
kannst es online bestellen, zum Beispiel über Twilight
Records. Außerdem ist die Platte im CD-Laden erhältlich.
Jann: Ja, jedenfalls hat Sony seinen Job getan.
Lea: Ist eine Tour
geplant, um die neuen Songs live auf der Bühne zu
präsentieren?
Wille:
Yep.
Lea: Ich habe
gehört, dass ihr kürzlich auf der Bühne von einem Live-Keyboarder
namens Tomi unterstützt wurdet. Ist er nur eine Art
Teilzeitmitglied oder denkt ihr darüber nach, zukünftig
ein Quintett zu werden?
Wille:
Wir
hoffen, dass unserer Einheit lange Bestand haben wird,
wir werden also sehen, was die Zukunft bringt.
Pekko: Er
wohnt momentan nicht in Helsinki, deshalb proben wir
hauptsächlich als Quartett. Er ist jedoch ein absolut
toller Kerl, somit mal abwarten, was geschieht. Wir
kommen sehr gut miteinander aus.
Jann: Ich
hoffe, er wird bei uns bleiben. Und manchmal kommt er
auch zu den Proben, auch wenn er dafür 500 Kilometer
fahren muss, das ist echt cool. Ein toller Kerl und
großartiger Musiker.
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