Project Pitchfork - Janosch Moldau... [ KFZ, Marburg 01.05.2009 ]
 

Seit über 15 Jahren sind die Pitchies ein fester Bestandteil der Electro-Szene und können auf eine sehr umfangreiche Diskographie stolz sein. Vor einigen Wochen erschien mit “Dream Tiresias” ihr aktuelles Album, mit dem sich die Herren sehr eindrucksvoll zurück meldeten. Jetzt sind die Hamburger unterwegs auf Club Attack Tour um ihren treuen Fans eine Zeitreise durch die letzten 15 Jahre zu präsentieren, natürlich wurden hier einige Songs aus dem aktuellen Album eingebunden.

 

Als Location im Hessenland wählte man das KFZ in Marburg und das erstaunte mich zunächst schon ein wenig, denn rückblickend auf einige frühere Veranstaltungsorte (Capitol in Offenbach, Kongresshalle in Gießen oder der Eltzer Hof in Mainz usw.) erschien mir das KFZ von seinen Ausmaßen doch recht familiär. Als wir gegen kurz nach 20Uhr in der Schulstraße in Marburg eingetroffen waren, standen wunderlicher Weise recht viele Gäste vor der Tür des KFZ, um sich noch genüsslich ein Kippchen zu gönnen. Eigentlich sollten doch schon längst Heavy Current spielen!? Nachdem wir uns der Eingangskontrolle (es gab gar keine) unterzogen hatten und uns langsam in Richtung Saal bewegten, vernahm ich sehr vertraute Klänge, die sich aber nach allem nur nicht nach Heavy Current anhörten. Kaum hatten wir den Saal erreicht, bewahrheite sich dann das Geahnte. Anstelle von Heavy Current stand Janosch Moldau [ Galerie ] auf der Bühne und begeisterte die Hundertschaft. Warum nun ausgerechnet Janosch Moldau auf der Bühne kämpfte und nicht Heavy Current, erfuhren wir dann alle noch im Verlauf des Abends.

 

Der Auftritt von JM hat mir persönlich hier im KFZ besser gefallen, als vor wenigen Wochen in der Batschkapp, auch wenn ich nur noch die letzten beiden Songs sehen konnte. Um 21 Uhr war das Team mit dem Bühnenumbau fast fertig. Leider musste irgendein böser Mensch etwas auf die Bühne werfen, sehr zum Missfallen eines Bühnentechnikers, der dann auch gleich mal ein Machtwort sprach. Das fand ich vollkommen richtig, denn aus dem Alter, etwas auf die Bühne zu werfen, sollte die anwesende Audienz durchweg raus gewesen sein, denn ein Blick durch die zwischenzeitlich mit rund 250 Fans immer noch recht überschaubare Runde, zeigte schon ein etwas reiferes Publikum. Also gut, nach dieser Rüge hatte das Warten dann auch bald ein Ende und das Intro startete. In leichtem Nebel kamen zunächst Achim, Jürgen, Carsten und Dirk heraus spaziert und positionierten sich auf der doch recht beengten Bühne, bevor Peter selbige betrat. Sein Outfit entsprach exakt dem der aktuellen Fotoserie im Booklet zu „Dream Tiresias“, ebenso die weiße Schminke und der blaue Querstreifen durch das Gesicht. Den Abend eröffnete die Band mit „If I Could“ aus dem aktuellen Album, bevor es mit „God Wrote“, „Requiem“ und „Carnival“ zunächst einige Jahre zurück ging. Peter gestikulierte fortwährend zu den Songs und spielte mit den Augen wie nie zuvor. Das ist genau das was einen guten Gig ausmacht und aus einem ordentlichen Auftritt eine geniale Performance macht. Das Zusammenspiel der Band war insgesamt absolut stimmig, Achim knüppelte erbarmungslos sein Schlagzeug, ganz zu schweigen vom famosen Solo, auch Carsten Klatte an der Gitarre zeigte hier natürlich deutlich mehr körperlichen Einsatz, wie beispielsweise bei Peter Heppner ´s Solo Tour. Dass Scheubi und Jürgen ihr Handwerk verstehen ist ja ohnehin klar! [ Galerie ]

 

Neben den kleinen Gesten zu den Songs machte Peter auch den ein oder anderen Gag, sei es die kleine Wasserfontäne auf Scheubi gewesen, als dieser die Audienz kurzzeitig an vorderster Front anheizte oder die Sache mit der Geburtstagstorte vom letzten Jahr. Kleine Späße lockerten den ohnehin schon sehr stimmigen Abend noch etwas auf. Auch die Erklärung für den kurzfristigen Einsatz von Janosch Moldau, der als Ersatz für Heavy Current den Support übernahm, da deren Sänger Jan an einer Kehlkopfentzündung litt, schadete der guten Stimmung nicht. Die Party ging nahtlos weiter und Project Pitchfork erfreute noch mit einigen sehr genialen Klassikern, wie „Alpha Omega“ oder „K.N.K.A“, dem ersten Hit aus dem Jahr 1991. Der enthusiastische Gig endete zunächst mit „Existence“ und die Band machte eine kleine Rauchpause vor der Tür, während die Fans mit allem was ging die Zugabe forderten. Mit frisch geteerten Lungen kamen die Jungs zurück und schoben mit „Darkness“ und „Souls“ gleich eine richtig fette Zugabe nach, bevor sie erneut von der Bühne gingen um Frischluft zu tanken. Das Publikum war jedoch keineswegs gesättigt und so gab es wieder sehr energische Forderungen nach weiterem Stoff, ja man kann wirklich sagen der Gig hatte ein enorm hohes Suchtpotential. Die Pitchies kamen folglich zurück und schenkten uns mit „Timekiller“; „I Am“ und „Rescue“ noch drei weitere großartige Songs. Ein sehr emotionaler und starker Gig war nach knapp 2 Stunden zu Ende und es wurden eigentlich alle Phasen abgedeckt, aber nur eigentlich, denn besonders auffällig war, es gab keinen Song vom innovativen letzten Album „Kaskade“! Project Pitchfork waren schon immer eine starke und glanzvolle Live-Band, deren Glanz jedoch offensichtlich etwas verblasst war, der Gig in Marburg zeigte allerdings, die Band kann es noch und ist zurück in alt bekannter Stärke!

 
Text: Oliver Loscher
Bilder: Claudia Schöne