8 Mera Luna Festival.-..[ -Hildesheim, 11./12. August 2007- ]
 

Bereits zum achten mal öffnete am zweiten August Wochenende das M’ERA LUNA auf dem Flughafen Drispenstedt in Hildesheim seine Pforten. Insgesamt sollten 39 namhafte Szenebands für Unterhaltung sorgen. Wie auch schon die letzten 4 Jahre machten wir uns auf den langen Weg, welcher immer wieder von Unwetterartigen Regenschauern erschwert wurde. Dies lies für die kommenden Tage nichts gutes erahnen. In Hildesheim angekommen bezogen wir erst einmal Quartier und hofften auf besseres Wetter für die folgenden beiden Festivaltage. Als wären unsere "Gebete" erhört worden, pünktlich beim Eintreffen auf dem Gelände am Samstagmorgen hatte es aufgehört zu regnen und sogar die Sonne lugte ab und zu, durch den Wolkenbedeckten Himmel hervor. Dem ein oder anderen Festivalbesucher war noch anzusehen was er die Nacht hatte durchmachen müssen und irgendwie taten mir die Camper auch ein wenig Leid. Die Händlermeile war bei unserem Eintreffen bereits geöffnet, selbiges galt auch für die zahlreichen kulinarischen Stände rund um das Areal, auch wenn das Gelände zu diesem Zeitpunkt noch recht spärlich gefüllt war (es war gerade mal kurz vor 11.00Uhr!). Für uns der perfekte Zeitpunkt um erste Impressionen [ Galerie I & Galerie II & Galerie III ] einzufangen, bevor es mit der ersten Band losgehen sollte. Nachfolgend findet ihr zahlreiche Berichte sowie Bilder von den Bands, leider ließ es sich nicht realisieren von allen Künstlern in Wort und Bild zu berichten. Nichts desto trotz haben wir natürlich versucht die meisten Acts für euch mitzunehmen und hoffen dabei den Geschmack des ein oder anderen damit getroffen zu haben. Nachfolgend wünschen wir euch nun viel Spaß beim stöbern. [ SG ]

 

Den etwas undankbaren Anfang machten THE LOVECRAVE [ Galerie I ] aus der Nähe von Mailand, die seit dem Jahre 2003 gothisch-metallene Klänge erzeugen. Das Quartett wurde angeführt von einer Chanteuse namens Francesca Chiara Casellati, mit so einem wohlklingenden Namen geradezu prädestiniert für einen Sangesposten. Lediglich ihre modischen Ansichten wurden nicht von jedermann geteilt, insbesondere der schwarze BH über den anderen Kleidungsstücken wirkte etwas gewöhnungsbedürftig. Ansonsten hatte die Dame alle wichtigen Posen drauf, während die Instrumentalfraktion unauffällig aber solide für ein ordentliches Fundament sorgte. Vom aktuellen Longplayer „The Angel and the Rain“ ist mir insbesondere “Vampires (The Light that we are)” im Gedächtnis geblieben. Nicht weniger freakig sollte es nun im Außenbereich zugehen: LOLA ANGST [ Galerie I ] aka Alexandar Goldmann und Reiner Schirner nebst wild gewordener Kirchenorgel hatten schon das Amphi 2006 gerockt und auch zu dieser frühen Stunde bot man einiges an Schau- und Hörwerten. So buhlten 2 anmutige Balletttänzerinnen ein ums andere Mal erfolgreich um unsere Aufmerksamkeit und die Höllenmaschine spuckte artgerecht gerne mal etwas wohliges Feuer. Die gleichermaßen gekonnte wie lässige Performance der beiden Protagonisten tat ihr Übriges hinzu, sich von anderen Elektronik Acts gebührend abzusetzen. Mit JESUS ON EXTASY [ Galerie I ] folgte ein weiterer aufsteigender Stern am Industrial Rock Himmel, der in diesem Jahr bereits in allen einschlägigen Medien gefeatured wurde. Der Bekanntheitsgrad dürfte insbesondere auch der Optik der Bandmitglieder geschuldet sein, allen voran Sänger Dorian Deveraux. [ TK ]

 

Dennoch waren seine körperlichen Vorzüge wie auch das auffällige Tattoo über der Jesus-Gürtelschnalle nicht zu übersehen. Alicia an der Gitarre (ihre Ex-Mitstreiter PAIN standen später ja auch noch auf dem Parkett) und Keyboarderin Ophelia Dax (nicht böse gemeint, aber das wäre sicher auch ein gutes Pseudonym im Hardcore Business) sorgten bei den männlichen Fans für Augenfutter. Wie bereits bei der Support Tour mit der LETZTEn INSTANZ hatte man wieder einen Drummer an Bord, was den Sound gehörig aufwertete. Überhaupt muss ich den Ruhrgebietlern aufsteigende Form attestieren, so machte der Gig rund um Stücke wie „Assassinate me“ oder „Alone“ unerwartet viel Spaß. Die Herrschaften haben insbesondere live in den letzten Monaten offensichtlich hart gearbeitet. Ein sehr interessanter elektronischer Act wollte uns nun seine Aufwartung im hellen Sonnenschein machen. Sehr interessant, weil das schwedische Duo NECRO FACILITY [ Galerie I ] live noch nicht wirklich oft in unseren Breiten in Erscheinung getreten ist, auf Konserve aber höchstes Kritikerlob einfahren konnte. Die beiden Alben „The Black Paintings“ und „The Room“ (beide erschienen bei Progress Productions) orientieren sich am kanadischen EBM der Marken SKINNY PUPPY/ FRONTLINE ASSEMBLY, also relativ harte relativ komplexe Kost. Leider wurde schnell deutlich, dass Oscar Holter und Henrik Bäckström heute nicht zu den Gewinnern zählen würden. Der blutjunge Shouter hetzte zwar wie ein wildes Tier über die Stage, bemüht die Anwesenden anzuheizen, aber irgendwie wollte der Funke bei den Meisten nicht so recht zünden. Zu verloren wirkten die beiden Skandinavier da oben, zu wenig eingängig die Tracks.  [ TK ]

 

Nach ihrem kurzfristigen Tausch mit ASSEMBLAGE 23 waren nun die britischen CLIENTEN [ Galerie I ] an der Reihe. Neben der Stammbesetzung Kate und Sarah bediente zusätzlich niemand Geringeres als Robert Görl (D.A.F.) das Schlagwerk im Hintergrund, doch noch interessanter war das aparte Wesen am Bass, das anscheinend auf den Namen „Client M“ hört. Zwar nicht ganz so exotisch wie ihre direkte Vorgängerin mit dem Kürzel E, aber dafür sehr lasziv und ebenfalls mit einem asiatischen Touch. In Anlehnung an den Auftritt beim Juicy Beats in Dortmund präsentierte man eine ähnliche, wenngleich leicht gekürzte Setlist, wobei die kleinen Hits wie „Radio“, „Down to the Underground“ oder „Pornography“ natürlich nicht fehlen durften. Outfit und Posen waren altbekannt, doch wie immer sehr unterhaltsam, so dass einer vergnüglichen Dreiviertelstunde nichts im Wege stand. Für die anstehenden Shows im Herbst hat man mit Charlotte Hatherley (ex ASH) bereits einen weiteren interessanten Gast angekündigt. [ TK ]

 

Nachdem die immer wieder nett anzusehenden Mädels von CLIENT die Hauptbühne räumten, konnten sich die aufgrund widriger Umstände verspäteten ASSEMBLAGE 23 [ Galerie I ] nach einer relativ kurzen Umbauphase dem Hildesheimer Publikum präsentieren. Tom Shear wurde diesmal nicht von seiner regulären Live-Crew begleitet, anstelle derer sprang Daniel Myer (HAUJOBB) und Dr. T (live keys FADERHEAD) ein, welche allerdings zusammen ein sehr gutes Team bildeten. Tom wirkte zu Beginn noch leicht angespannt was ihm allerdings bei dem Stress den er im Vorfeld offensichtlich hatte, nicht zu verdenken war und sich von Song zu Song lockerte. Die Auswahl der Titel bot einen ordentlichen Überblick über die Schaffensphase des Amerikaners der letzten Jahre. So gab es unter anderem „document“, „naked“, „dissapoint“ oder „let the wind erase me“ aus der Vergangenheit zu hören und natürlich auch „binary“ und „madman´s dream“ aus dem aktuellen Album „Meta“ alles in allem war das Set vortrefflich ausgewählt und der Sound war durchweg ansprechend. Einerseits waren die 40 Minuten bei ASSEMBLAGE 23 viel zu schnell vorüber, doch andererseits hatte das Warten auf COVENANT [ Galerie I & Galerie II ] ein schnelles Ende. Tom Shear konnte die freudigen Electro Jünger schon perfekt einstimmen und es zeigte sich das zumindest im Zentrum vor der Bühne sich die Masse noch verdichtete, obwohl bei Assemblage 23 schon einiges am Start war. An dieser Stelle eine Zuschauerzahl zu nennen wäre unglaubwürdig, aber es waren schon eine ganze Menge die den smarten Schweden entgegen fieberten. [ OL ]

 

Die Live Drums bildeten eine wesentlichste Veränderung im Bühnenaufbau des Trios, verunsicherten einige Zuschauer und hinterließen zunächst nur fragende Gesichter. Und ja es gab wirklich noch eine eklatante Neuerung, aber wer sich ein wenig mit der Band befasst hat, wusste schon im Vorfeld, dass Claas, der Spaßmacher der Truppe, nicht mit von der Partie sein würde, an dessen Stelle sprang wie schon bei ASSEMBLAGE erneut Daniel Myer ein (HAUJOBB,DESTROID). Und der Mann ist nicht nur hinter dem Keyboard fit, nein, der kann auch mal richtig fett die Drums schlagen, wie sich im späteren Verlauf des Auftritts dann noch zeigte. Eskil und Joakim im typischen schicken Outfit beide in hellen leichten Anzügen kannten wenigstens alle und die Beiden gaben mit dem „Leiermann“ und „Bullet“ auch gleich richtig Gas, während Daniel rechts zunächst ein wenig den Eindruck erweckte, als würde er gar nicht dazu gehören, bis zu dem Zeitpunkt, wo Eskil ihn dann als langjährigen Freund vorstellte. Die Vorstellung von „The Man“ mit Live Drum war dann einfach nur gigantisch und überhaupt passte bei COVENANT an diesem sonnigen Samstag einfach alles. Eskil strahlte während des gesamten Gig, stellte freudig die kommende DVD - auf der hoffentlich „The Man“ so zu hören sein wird wie hier erlebt- vor, hat vor allem bei „Invisible & Silent“ seinem erklärten Lieblingssong sehr genial gesungen und hatte richtig Freude daran seinen Fans eine tolle Show zu bieten. Ein Fest für alle Fans, welches mit „Call The Ships To Port“ leider auch schon wieder viel zu früh zu Ende war. [ OL ]

 

Mit den Japanern DIR EN GREY [ Galerie I ] folgte ein musikalischer „Exot“ auf der Hauptbühne, der insbesondere bei einigen jungen Mädels für Aufregung sorgte, die sich bereits mit entsprechenden Devotionalien (Flaggen etc.) ganz vorne positioniert hatten. Die 1997 in Osaka entstandene Formation gehört seit einiger Zeit zur Spitze des J-Rocks (oder auch Visual Kei), dennoch waren meine persönlichen Berührungspunkte bislang eher gering, so dass ich die musikalische wie optische Präsentation gespannt erwartete. Der Fünfer bewegt sich im Spannungsfeld von Rock, Nu Metal(core), Gothic etc. und lebt insbesondere von der sehr exaltierten Performance des Shouters Kyo. Ich sehe es ähnlich wie ein unbekannt bleibender Musiker neben mir: „Ist nicht mein Sound, aber dennoch sehr unterhaltsam“. Mit der abgefahrenen Stimme muss man allerdings wirklich erst mal klar kommen. Auf Songtitel muss ich mangels Wissen und Sprachkenntnis verzichten, das neue Werk „The Marrow of a Bone“ wird aber sicher gewürdigt worden sein. Nach einer Weile wurde auch klar, wofür das kleine rote Gitterpodest am Bühnenrand gut war: Kyo nahm dort immer aberwitzigere Posen ein und zuguterletzt gab er der Show auch noch einen blutigen Anstrich. Wobei man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob der Herr nun seinen Oberkörper tatsächlich aufgeschlitzt hat oder ob es sich um Kunstblut handelte. Effektiv war es auf jeden Fall. [ TK ]

 

Während auf der Mainstage SCHANDMAUL [ Galerie I ] spielten, wurde im Hangar EMILIE AUTUMN [ Galerie I & Galerie II ] angekündigt. Diese luden sogleich zum Tee Kranz und boten schon in den ersten Minuten des Auftritts eine perfekte Symbiose aus theatralischer Inszenierung, Gothic, elektrischen Klängen und klassischen Elementen. In wundervollen Kostümen bot die Band eine makabere und energiegeladene Performance. Hier wurde ein kleiner Teddybär aufgehängt, mit Ratten gespielt sowie im Duett mit einer Spinne getanzt und gesungen. In ballettartigen Bewegungen tippelten die Damen elegant über die Bühne und rundeten das Gesamtkunstwerk EMILIE AUTUMN illusorisch ab. Mit einer elektrischen Geige „bewaffnet“ tänzelte auch Emilie selbst über die Stage und zeigt dabei einmal mehr dass sie eine hervorragende Musikerin ist! Gerade diese Mischung aus musikalischen und optischen Elementen lassen die Band zu einem Hinkucker und Zuhörer werden welche sich wohl immer größerer Beliebtheit erfreuen wird! [ TN ]

 

Später als zunächst geplant waren SUICIDE COMMANDO [ Galerie I ] um 22:15 Uhr an der Reihe, was sich als ein strategisch recht kluger Zug herausstellte, obwohl eine leichte Überschneidung mit AND ONE nicht zu vermeiden war. Bind Torture Kill, diese drei Schlagworte heizten zunächst ohne Johan im gut gefüllten Hangar mächtig die Stimmung auf. Passend dazu wurden eine ganze Menge der netten Herren, welche die Idee zu diesem Mörderwerk bildeten per Beamer an die Wand geworfen. Wenige Minuten später stürzte Johan energisch wie immer auf die Bühne und was passierte als erstes? Na klar, der fucking Mikroständer flog mit einem souveränen Kick über die Bühne. Johann und seine Live Band in Form von Torben am Keyboard und wie schon beim WGT Mario von Insekt hinter den Drums, bringen problemlos immer wieder die Massen zum Toben. Bei ausgelassener Stimmung feierten locker 5000 Besucher eine fette Party, denn mit der Songauswahl hat er wieder mal ein sicheres Händchen bewiesen. Diese reichte vom brandneuen Stück „Come on and hate me“ bis hin zum Klassiker „Save Me“. Sehr geil waren auch „Fuck You Bitch“ oder „One Nation Under God“. Pech hatten all Diejenigen, die vorzeitig den Hangar verließen, denn es gab relativ unerwartet noch 2 Zugaben, wobei der „Hellraiser“ die Fans in die Nacht schickte. Auch wenn an diesem Samstag mit ASSEMBLAGE 23, COVENANT und SUICIDE COMMANDO für mich persönlich nur 3 Bands von Interesse waren, so hatten diese ausreichend Freude gemacht um die Lasten des Alltags zu vergessen und erwartungsvoll auf den Sonntag zu schauen. [ OL ]

 

Als heimlicher Co-Headliner standen als nächstes AND ONE [ Galerie I ] auf dem Programm, zur Musik des DEPECHE MODE Titels „Fools“ betraten zuerst Gio van Oli und Chris Ruiz die Bühne und traten hinter ihre Keyboards, deren Ständer aus orangefarbenen Leuchtstoffröhren bestanden. Sänger Steve Naghavi folgte kurze Zeit später im sommerlichen weißen Anzug (der neue Trend des Tages – siehe Eskil), weißem Hemd, passender orangefarbener Krawatte und wurde mit sehr herzlichem Applaus begrüßt. Grinsend erklärte der quirlige Steve das M’era Luna für offiziell eröffnet und legte gleich richtig los. Wie ein Wirbelwind schoss er quer über die Bühne und erfreute sich an der feiernden Menge vor ihm. Vom aktuellem Erfolgsalbum „Bodypop“ machte „Stand the Pain“ den Anfang, gefolgt von dem Klassiker „Technoman“, bei dem Chris seinen Platz in den vorderen Bereich der Bühne verlegte. Die Stimmung steigerte sich merklich, denn diesen Titel schien wirklich jeder zu kennen. Mit den Worten „Bewegt Euch“ lieferten sich Chris und Steve ein wahres Tanz-Duell, während wir alle im Chor „1-2-3 ... Technoman“ sangen. Eine weitere Coverversion präsentierte Steve fast schon obligatorisch mit „Timekiller“ und den Worten „Wir sind die wahren PROJECT PITCHFORK“! Dabei tänzelte und flirtete er mit der Kamera, die jede seiner Bewegungen verfolgte. Die Stimmung kochte und eine wild tanzende Menge bejubelte Steves Pirouetten. Etwas härtere Klänge gab es mit „Steine sind Steine“ und poppiger wurde es dann wieder mit „Military Fashion Show“, während Steve hüpfte und wie wild über die Bühne flitzte. Nach der Drohung, zu uns ins Publikum zu kommen, stimmte er mit „The Walk“ von THE CURE eine weitere Coverversion an.

 

Gio hielt sich weiterhin im Hintergrund zurück, während mit „Deutschmaschine“ und „Für“ noch mal zwei alte Hits präsentiert wurden. Ganz im Stile eines DEPECHE MODE-Konzertes schwenkten wir unsere Arme hin und her zu „Recover you“ und wurden von Steve mit den Worten „Ihr müsst nicht alles mit Euch machen lassen...“ ausgelacht. Er vergas sogar ganze Textzeilen vor lauter Amüsement und kriegte sich kaum wieder ein. Das Publikum störte das alles nicht im Geringsten, es feierte, tanzte und sang kräftig weiter, was zusammen mit der Lichtshow ein tolles Bild abgab. Nach „Get you closer“ bildete „So klingt Liebe“ leider schon den Abschluss des Auftritts. Steve ließ uns den Refrain immer wieder alleine singen und erklärte das M’era Luna feierlich für beendet (ein kleiner Gruß an die TOOL-Fans durfte auch nicht fehlen…). Bei den heftigen Beifallstürmen und Schreien mussten ihn seine Bandkollegen mit aller Gewalt von der Bühne zerren, immer wieder riss er sich los und stürmte an den Bühnenrand, um sich verdienterweise ausgiebig feiern zu lassen. Zusammen mit COVENANT der stimmungsträchtigste Auftritt am Festival-Samstag. [Cath]

 

Sonntag.. [ -Hildesheim, 12. August 2007 -]

 

Nach einer recht kurzen Nacht fand ich mich um 11.20 Uhr vor der großen Bühne wieder ein, um zum zweiten Mal in diesem Jahr BIG BOY [ Galerie I ] ansichtig zu werden. Mit mir hatte sich ein ebenfalls noch einigermaßen verschlafen wirkendes Völkchen eingefunden, das sich vom Glam Goth Rock des gebbürtigen Schwedens mit deutschem Wohnsitz auf Touren bringen lassen wollte. Nach dem martialisch anmutenden, französischsprachigen Intro „La Légíon“ vom Debütalbum „Hail The Big Boy“ welches seit Juli des Jahres zu haben ist, erschienen auch die Protagonisten der folgenden 25 Minuten.

 

Mr. BIG BOY höchstpersönlich poste erst einmal auf dem eigens dafür bereitgestellten Podest und begrüßte die Anwesenden mit einem „Deutschland erwache!“-Ruf. Seine Deutsch-Kenntnisse hatte er bereits beim Opener „Gestasi Baby“ textlich mit der Aufforderung „Sprich mit mir!“ verarbeitet, viel Kommunikation fand an diesem späten Vormittag allerdings nichts statt, mag in der knappen Zeit begründet gewesen sein, stattdessen gab’s noch weitere Glam Rock-Schmankerl wie „Fake It“, „One Good Reason“ und zum Schluss noch „Hail The Big Boy“. Alles in allem ein forscher Start in den zweiten Festivaltag. Wenn mich mein Eindruck nicht getäuscht hat, ging’s in Hildesheim mit ner Schippe mehr Drive zur Sache als beim WGT (wo Peter Kafka noch in der Live Crew war), mag aber auch daran gelegen haben, dass die technischen Gegebenheiten heuer mehr hergaben als auf der kleinen Leipziger Parkbühne. Der junge Herr BIG BOY zeigte sich auf jeden Fall wieder als wahre Rampensau und stolzierte über die Bühne, dass es FREDDIE MERCURY im Musikerhimmel sicherlich ein Fest war. Selbiger ist (der Legende nach) BB eines Nachts in dem Sanatorium erschienen, wo sein Borderline-Syndrom und sämtliche der Wissenschaft bekannten psychosomatischen Störungen behandelt wurden. Freddie erkor ihn zum einzig wahren Rockstar der Neuzeit und dieser Herausforderung versucht das Bürschchen nun gerecht zu werden. Für heute hatte er seine etwas undankbare Aufgabe, als Erster zu spielen, gut gemeistert und nicht wenige zum Tanzen animiert. [ ump ]

 

Die darauffolgenden WARREN SUICIDE [ Galerie I ] waren mir bis dato nur vom Hörensagen ein Begriff, avancierten aber schnell zu meiner diesjährigen M’era Entdeckung. Seltsames spielte sich auf der Bühne ab, neben den Musikern mit den schönen Namen Cherie, Fremdkörper und Nackt befanden sich auch ein Hypnose-Rad sowie ein... ja Schaf, Pferd, Hund auf der Bühne, der im Folgenden von der hübschen Sängerin zu Bondage-Zwecken missbraucht wurde. Später tauchte dieses Viech im Hangar noch einmal auf, doch dazu mehr an entsprechender Stelle. WS entstanden 2003 in Berlin-Neukölln, sind aber bis heute eher im Ausland eine angesagte Nummer, so durfte man erst kürzlich PLACEBO remixen. Ihr aktuelles Werk „The Hello“ enthält eine Sammlung von Stücken der gesamten Bandgeschichte, wie etwa die „Hymne“ „Warren Suicide“ mit der schönen Textzeile „Hello Hello My Name is Warren Suicide“. Besagter Warren ist übrigens das fiktive vierte Bandmitglied und der kreative Krafttank des menschlichen Trios. Musikalisch eine Mischung aus Electroclash, Indie, Glam, ein wenig Goth und von daher vielseitig einsetzbar. Mit allerlei Gimmicks weckte man nun auch noch die letzten Festivalgänger auf, so wurden wir alle mit Schildern begrüßt, damit auch keiner seinen Aufenthaltsort vergessen konnte. Mit Stücken wie „Addiction“ wurde die kurze Spielzeit sehr kurzweilig überbrückt und ich werde mir die Truppe demnächst mal auf Konserve reinziehen. [ TK ]
Der Sonntag sollte für uns im Hangar mit den aus den Niederlanden stammenden ANGELS & AGONY [ Galerie I ] beginnen! Nach einem kurzen Soundcheck war es dann auch schon soweit und die 4 platzierten sich hinter ihren Geräten.

 

Die Band um Frontmann Reinier ist schon relativ lange im Geschäft, der große Durchbruch in Deutschland ist ihnen dann mit der ersten Fulltime CD „Eternity“ gelungen. Seit diesem Zeitpunkt ging es nur noch in eine Richtung „Forward“! Und genau mit diesem genialen Stück hatte die Band den erstaunlich gut gefüllten Hangar fest im Griff. Es wurde ausgelassen getanzt, geklatscht und gesungen. Als weitere Highlights sind vor allem der Opener „Stronghold“ zu nennen und „Civilisation“ Eine tolle Perfomance bot neben Reinier vor allem auch Gitarrist Erik, der sich mächtig ins Zeug legte, wenn sein Einsatz gefragt war. Perfekter Start in den Tag und so sollte es mit DIORAMA auch weiter gehen. [ OL ]

 

Zeit für die Aachener KRYPTERIA [ Galerie I ], denen man in diesem Sommer auf Festivals aller Art begegnen konnte (oder musste, je nach Vorlieben). Nach dem Amphi Festival in Köln und dem Wacken nun also auch hier auf der großen Bühne in Hildesheim, schon erstaunlich wie schnell die Äste bei den „Mädchen Metallern“ in den Himmel gewachsen sind. „Mitschuld“ daran trägt sicher die bezaubernde Ji-In Cho, die wieder ihr rotes Lederoberteil spazieren trug. Im nächsten Jahr möchte ich dann aber auch mal sehen, was ihr Kleiderschrank sonst noch so hergibt. Zusammen mit ihren männlichen Spielgefährten an den Tasten zog man in etwa dieselbe Show durch wie in Köln, was ja bei nur einem richtigen Album auch nicht wirklich verwundert. Zugegebenermaßen nicht wirklich mein Sound, aber sehr professionell dargeboten, manchmal fast zu professionell, denn die eine oder andere Pose sieht sehr einstudiert aus. Bei einem Teil des Publikums (und den Fotographen) kam der Auftritt allerdings richtig gut an, es gibt also überhaupt keinen Grund zu meckern. [ TK ]
Zum diesjährigem M’ERA LUNA gaben DIORAMA [ Galerie I ] ihre „Flugplatz“ Primäre. Der Hangar war gut, ja sehr gut gefüllt und so stimmte man gleich als ersten Song den Titel „Burn out“ an. Wieder einmal gab sich Sänger Torben ganz seiner Musik hin und performte eindrucksvoll und mit sehr viel Gefühl. Dadurch zog er das Publikum gleich in seinen Bann. Bei dem folgenden Song „Synthesize me” war das Publikum hell wach und bewies eindrucksvoll das man auch im engen Hanger tanzen kann.

 

„The girls“, „Belle?“ und „Kein Mord“ letzteres vom aktuellem Album „A different Life“ kamen gefühlvoll, trotzdem aber mit viel Druck und Energie rüber. Torbens ruhige, tiefe und gefühlvolle Stimme rundete jeden Song ab und trägt zum DIORAMA Sound das entscheidende Quäntchen bei. Nach dem Hit „Advance“ und dem abschließendem „Why“ war der 40 min. Gig leider viel zu schnell vorbei und DIORAMA verabschiedeten sich von einem laut applaudierenden Publikum. [ TN ]
Bei den deutschen Gothic Rockern LACRIMAS PROFUNDERE [ Galerie I ] stand in letzter Zeit vor allem das Thema Sänger im Vordergrund und auch heute gab es interessantes zu entdecken. Nachdem Mädchenschwarm Christopher Schmid ausgestiegen war, hatte man es zunächst mit Peter Kafka (BELOVED ENEMY, Ex-FIDDLER’S GREEN) probiert, der aber zeigte sich heute für den Bass verantwortlich. Macht auch Sinn, denn auch Daniel Lechner, sein Vorgänger an diesem Instrument hat sich vor Kurzem verabschiedet. Dafür stand nun Roberto Vitacca am Mikrophon (ein Herr aus Erzingen und bereits tätig bei einer Formation namens LOST), ein zauseliger junge Herr, der mit kleidsamer Wollmütze hinter dem Mikro agierte. Stimmsicher war er ganz sicher, ansonsten zeigte er sich doch noch ein wenig nervös, kein Wunder bei so einem Riesenpublikum. So beschränkte er sich im Wesentlichen auf die Ankündigung der Songtitel wie etwa „My Mescaline“ („den Gothic Hörern gewidmet“), „Sweet Caroline“, „Again it’s over“ oder die älteren „Sarah Lou“ sowie „Ave End“. So richtig in Ekstase geriet das Publikum nicht, aber LACRIMAS PROFUNDERE müssen sich nach all dem Durcheinander wohl auch erst wieder finden, um mit neuem Elan in die Zukunft zu schauen. [ TK ]

 

Hangar die Dritte und für mich zugleich letzte Band in der schattigen Halle waren dann RABIA SORDA. [ Galerie I ] Kopf der Band ist niemand geringeres als Erk Aicrags (HOCICO), der sich hier infach auf eine andere Art und Weise die Seele aus dem Leib brüllen will. Das der Sound wirklich etwas andersartig ist, als der von HOCICO zeigte sich allerdings auch an der nach DIORAMA sich eher leerenden Halle. Und wer an den Auftritt von HOCICO im Hangar vor 2 Jahren zurückdenkt, wird sich noch heute an den verschwitzten Oberkörper seines Vordermanns erinnern. Wie dem auch sei, Erk ist genauso energiegeladen über die Bühne gewirbelt wie immer, als er mit „Walking On Nails“ loslegte. Die Energie des Schlagzeugers ließ den Puls ebenso wenig ruhen wie die des Keyboarders, der wie schon bei seinem Auftritt im Nachtleben in Frankfurt gerne zu seinem Flachmann griff und den Eindruck erweckte jederzeit sein komplettes Equipment umzureißen. Power ohne Ende auch bei „Save Me From My Curse“, „Misery“ oder „What U Get is What U See”. Das solch eine Hochleistung auch etwas Durst macht, ging auch an Erk nicht vorbei und so nippte er einige Wasserflaschen kurz an und versorgte mit dem Rest ein paar gute Fänger im Publikum. Zum Abschluss gab es dann auch noch eine Verneigung vor dem Publikum und der Drummer warf die Sticks in die Menge. [ OL ]
Als nächstes folgten die CRÜXSHADOWS [ Galerie I & Galerie II ]. Standesgemäß kam der charismatische Sänger Rogue wie auch schon bei seiner gesamten Tour durch die gesammte Menschenmenge auf die Bühne, während seine beiden Tänzerinnen Jessica und Sarah in ihren pinken Cheerlieder Outfits und Rachel an der Geige die Plattform schmückten.

 

Wie nicht anders gewohnt war Rouge meist überall nur nicht auf der Stage. Egal ob die Absperrgitter zum Graben, dass Bad in der Menge, Monitorboxen oder gar die Bühnenaufbauten, nichts war vor Ihm sicher. Typische Klassiker wie „Deception“, „Winterborn“ oder „Marilyn my Bitterness“ durften natürlich auch hier in Hildesheim nicht fehlen. Aber auch die im September erscheinende Single „Birthday“ wurde den Fans dargeboten. Gerade letzteres hatte man uns Seitens der Band bereits beim Terra Gotha im Oktober 2006! neu vorgestellt und jetzt erscheint es erst in unseren Läden, lange Wege in der Musikindustrie. [ SG ]

 

Die Finnen von THE 69 EYES [ Galerie I ] gehören fast schon zum gesetzten Line Ups des M’era Lunas, waren sie doch in diesem Jahr schon zum fünften Mal mit ihrem Düster-Rock vertreten. Im gleißenden Sonnenlicht dieses herrlichen Sonntag Nachmittags hatten die Sonnenbrillen der Herren um Sänger Jyrki 69 auch absolut ihre Berechtigung, aber auch wenn es stockdunkel gewesen wäre, hätten die Jungs der Coolness wegen sicher nicht auf dieses Accessoire verzichtet. Klappern will sagen posen gehört bei den fünf „Hellsinki Vampires“ halt mit zum Geschäft und diese Disziplin beherrschen THE 69 EYES wirklich bestens und auch musikalisch sind die Dark Rocker ein Garant für beste Unterhaltung. Nachdem das „Lost Boys“-Intro die Ankunft von Jyrki 69, Archzie, Bazie, Timo-Timo und Jussi 69 angekündigt hatte, legte das Quintett auch gleich mit „Devils“ einen ordentlichen Rocker hin, der neben den Gitarren von Archzie und Timo-Timo in erster Linie vom dunklen Gesang des Fronters beherrscht wurde. „Never Say Die“ von der aktuellen VÖ „Angels” ließ es etwas ruhiger angehen, während „Dance D’Amour“ finnische Melancholie in kraftvolle Gitarrensounds umsetzte. „The Chair“ gehört für THE 69 EYES zwingend zum M’era Luna dazu, wogegen bei dem melodiösen Midtempo-Track ja auch nichts zu sagen ist. Es folgten mit „Wings And Hearts“ und „Sister of Charity“ zwei Songs der neuen Platte, die sich jedoch nahtlos in die Reihe der typischen 69 EYES-Hymen einfügten, wie sie mit „Brandon Lee“ umgehend zum Besten gegeben wurde. Damit verbunden war das typische Donnergrollen, welches daran erinnern sollte, dass es auch immer regnet, wenn THE 69 EYES in Hildesheim sind, wie sich Jyrki erinnerte.

 

Wenn sich das wie in diesem Jahr nur auf den Freitag bezieht, wollen wir mal nicht so sein und die finnischen Fürsten der Finsternis auch in Zukunft bei uns willkommen heißen .Mit „Perfect Skin“ folgte eine weitere knackige Gitarren-Nummer, bevor es mit der Hommage an den Film „Lost Boys“ gleichen Namens auch schon ans letzte Stück ging, das noch mal ordentlich abgefeiert wurde. Eine dreiviertel Stunde Spielzeit war eigentlich viel zu kurz, so dass auch der ein oder andere Hit zu Hause bleiben musste. Aber Ende August tauchen die Finnen wieder im westfälischen Lüdinghausen auf dem AREA 4 auf und im Herbst geht’s mit WITHIN TEMPTATION auf Deutschland-Tour. [ ump ]

 

Es war Sonntagnachmittag, der Planet brannte. Im gleißenden Sonnenlicht wurde niemand geringeres erwartet, als die Erfinder des Cyber Punks, die Gottväter der elektronischen Kunst, meine Helden SKINNY PUPPY [ Galerie I & Galerie II & Galerie III & Galerie IV & Galerie V ]! Ein recht großer Teil der Besucher des Festivals fand sich vor der Freilichtbühne ein um dem Blutfest beizuwohnen, während im bis zum letzten Winkel gefüllten Hangar WELLE ERDBALL in gewohnt unterhaltsamer Weise mit ihrer Blümchenmusik zu überzeugen wussten. Die Dekoration der Bühne war im Verhältnis zu vergangenen Auftritten von Skinny Puppy eher schlicht gehalten, lediglich eine nicht mehr ganz weiße Leinwand wurde am linken Bühnenrand platziert. Pünktlich um 17:30 Uhr torkelte Nivek Ogre dann wie ein Cybergod auf die Bühne, behangen mit in grellem orange und rot gehaltenen Schläuchen hielt er sein Antlitz hinter weißer Schminke und einer Sonnebrille versteckt. In der linken Hand kam nach und nach ein Rosenkranz zum Vorschein, welcher zunächst im Mull verborgen lag, dessen er sich aber dann fortwährend befreite, während als erstes Stück „Ugli“ zelebriert wurde. Mit „Dogshit“ wurde die Anhängerschaft 20 Jahre zurück versetzt (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, 30% aller Besucher waren vielleicht gerade mal um die 20 Jahre alt). Auf jeden Fall kam das ganze richtig wuchtig und vermehrt wurden auch die typischen Bewegungen Ogre´s nachgeeifert. Im Verlauf der Show verschwand der gute Oral Impressionist immer wieder hinter der Leinwand um ein wenig Blut zu tanken, welches dann in kreativer Form seinen Weg auf die Leinwand fand. Den Höhepunkt des Sets erreichte man nach gut der Hälfte des Auftritts bei „Worlock“.

 

Hier war die Stimmung großartig und zwischenzeitlich waren auch noch die letzten Besucher zur Show gekommen. Ein alter Bekannter (Eskil von Covenant) hatte auch großen Spaß an der Aufführung und tanzte voller Elan inmitten aller Besucher mit. Zwischenzeitlich hatte Nivek sich zum Teil seiner Schläuche entledigt und kämpfte wie ein Besessener gegen das Laken an, um in die Welt seiner Fans zu dringen. Recht gelungene Darbietung des Stücks „Dig It“! Die Schlussphase beinhaltete dann mit „Amnesia“ und „Hardset Head“ gleich zwei der letzten Stücke unter Mitwirkung von D. R. Goettel aus dem Album „The Process“, was vor 12 Jahren der Beginn einer schweren Zeit für die Fans war. Umso wertvoller ist dieser bemerkenswerte, wenn auch nicht mehr ganz so abgedrehte Auftritt der Band zu sehen. Schön dass eine neue Ära SKINNY PUPPY begonnen hat und uns allen hoffentlich noch viele interessante und weiterhin so kreative Schöpfungen, wie den letzten Song des Set „Haze“ beschert. Wie immer ein Fest für alle Fans der Band, einzigst die grelle Sonne schmälerte explizit diesen Auftritt ein wenig, da die Show bei Dunkelheit einfach wesentlich besser wirkt! [ OL ]

 

IAMX [ Galerie I ], Soloprojekt von SNEAKER PIMPS Sänger Chris Corner, stand nun als nächstes an, den Hangar unter Strom zu setzen. Während seine Livecrew in sattem Zitronengelb modische Akzente setze (Janine an den Keys heute zwar ohne BH, aber wohl sittsamer als üblich gekleidet), erinnerte mich der spindeldürre Chris an Willie Wonka aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und nicht nur optisch, sondern auch stimmlich an Brian Molko. Musikalisch präsentierten IAMX den zahlreichen Anwesenden eine explosiv-exaltierte Elektro-Clash-Dark-Pop-Show, die einen subtil-erotischen Charme versprühte. Los ging es mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums „The Alternative“, gefolgt von „Bring me back a dog“. Mit „The negative sex“ und dem etwas schleppenderen „President“ hatte man zwei weitere Kracher im Gepäck, ehe das hymnisch-melancholische „Mercy“ ein wenig zum Träumen einlud. „Kiss and Swallow“ (so auch der Albumtitel des Debüts von 2004) und „Nightlife“ heizten der Party dann noch mal ordentlich ein, ehe das mit vielen Videoeinspielern unterlegte Set nach insgesamt 10 Songs und 50 Minuten Spielzeit zu Ende ging.

 

Warum sich auch das Schaf (Eselchen, Pferdchen?) aus der WARREN SUICIDE – Performance auf der Bühne wiederfand, wird wohl ein Geheimnis dieses Festivals bleiben (vielleicht weil beide zusammen auf Tour waren?!). IAMX für mich auf jeden Fall die Entdeckung des Tages! [ CS ]
Nach so viel Blut, welches Nivek Ogre zuvor noch auf der Mainstage verteilt hatte, gab es sicher einiges an Arbeit um die Bühne für die DEINE LAKAIEN [ Galerie I ] nebst der Neuen Philharmonie Frankfurt wieder flott zu machen. Während als erstes das Orchester seine Plätze einnahm, folgten im Anschluss Ernst Horn und Alexander Veljanov unter viel Beifall. Das Set begann man mit "Over and Done", direkt gefolgt von "Into my Arms". Doch bereits hier bemerkte man das Herrn Veljanov etwas störte, zum einen war es die Abendsonne, welche direkt auf die Bühne schien und zum anderen, die parallel spielenden IAMX im Hangar. Gerade in den etwas ruhigeren Passagen, empfand auch ich als Zuhörer dies als störend. Des weiteren war zu bemerken, dass die Gitarre überhaupt nicht angeschlossen war, denn auch bis zum Ende war kein einziger Riff aus dieser zu vernehmen. So ließ sich teilweise leider nur Erahnen wie schön diese Kombination aus Band und Orchester klingen kann. Es folgten Stücke wie " Reincarnation", " The Mirror Men" und " Dark Star". Auch das komplett in französisch gesungene "Vivre" vom Album "Kasmodiah" durfte natürlich nicht fehlen. Als Zugabe folgten dann noch "Follow me" und "Love me to the End". Leider war diese Konstellation hier sehr unglücklich gewählt und hätte Wenn, als Abschluss und ohne parallel spielende Band, besser in ein Festival Line Up gepasst. [ SG ]

 

Als letzter Act des Festivals betraten dann THE JESUS AND MARY CHAIN [ Galerie I ] nach der Trennung 1999 erstmals wieder Deutschen Festivalboden. Dies dürfte sicher einige der Ü30er sehr gefreut haben. Für uns war hier und jetzt Schluss und so war auch das Achte M’ERA LUNA Festival Geschichte. Mit knapp 20000 Besuchern war es in diesem Jahr sicher nicht ganz so prall besucht wie noch die Jahre zuvor. Nichts desto Trotz lief alles wieder einmal super ab und Selbst das Wetter spielte, sehen wir mal von Freitag Nacht ab, eine fast perfekte Rolle. Für meinen Geschmack hätte man sich einen Headliner wie TOOL sparen und eher eine Szene-verwandtere Band präsentieren können, aber dies ist sicher immer Geschmacksache. Sind wir also gespannt und freuen uns, wenn es 2008 wieder heißt, auf nach Hildesheim zum M’ERA LUNA! [ SG ]

 

Text: Cathie Niemann, [Cath], Christiane Stuckemeier [CS], Karsten Thurau [TK], Oliver Loscher [OL], Sandro Griesbach [SG], Thomas  Nattermann [TN], Ulrike Meyer-Potthoff [ump]
Bilder: Sandro Griesbach, Thomas Nattermann, Karsten Thurau, Claudia Schöne

 

Die Berichterstattung ist in freundlicher Zusammenarbeit mit unserem großen Partner-Magazin dem Musik-Terrorverlag entstanden. Natürlich könnt Ihr diese, sowie noch viele weitere Berichte auch dort nachlesen, es lohnt sich!