Der
Herbst des Einsamen so
lautet der Titel des brandneuen,
mittlerweile dritten Albums von Eden
weint im Grab (kurz: EwiG). Und mit
diesem Werk werden nicht gänzlich,
jedoch überraschend neue Pfade in der
Historie der Berliner Band beschritten:
So verzichtet Alexander Paul Blake, der
kreative Kopf von EwiG, in den neuen
Tracks diesmal auf wuchtige
Gitarrenwände und kraftvolles Drumming.
Mit einem klassischen Metal-Album
haben wir es hier also nicht zu tun. Doch
mit was dann? Alexander Paul Blake
bezeichnet sein neues Schaffenswerk
selbst als eine Dekomposition der
Lyrik Georg Trakls. Und
tatsächlich sind auf Der Herbst
des Einsamen ausschließlich
Gedichte von Trakl (Österreichischer
Expressionist, *1887 - 1914) zu
finden, die Blake mit gewohnt
düsterer Stimme auf ganz eigene
Weise rezitiert. So wird auf dem neuen
EwiG-Album also nicht nur auf fette
Gitarren und ein strammes Drumming,
sondern auch auf jeglichen Gesang sowie
Texte aus Blakes eigener Feder verzichtet.
Da
könnte man sich berechtigterweise nun
fragen, was die neue Platte dann
überhaupt noch mit Eden weint im Grab zu
tun hat. Nun ja: Die 12 Tracks auf Der
Herbst des Einsamen sind trotz
allem im typischen EwiG-Stil gehalten
nämlich wahrhaft düster und
garantiert gänsehauterzeugend. Das
stellt bereits der Opener An die
Verstummten unter Beweis, der mit
Windesrauschen, Klaviergeklimper und
Orgelpassagen für die gewohnt finster-atmosphärische
Stimmung sorgt. Mit Kirchenglocken geht
es bei De Profundis weiter.
Blake spricht hier mit langsamer und
ruhiger Stimme, die so ganz besonders gut
auf den Zuhörer einwirkt. Im Anschluss
folgt das von einem dezenten Schlagzeug
untermalte Gedicht Traum des Bösen,
zu dem Eden weint im Grab erst kürzlich
ihren ersten Videoclip gedreht haben
zu sehen auf der Bandwebseite und
Youtube. Richtig pompös wirkt der Track
Elis insbesondere
durch die Streicherpassagen. Die sind
beispielsweise auch bei In ein
altes Stammbuch zu hören, doch
klingt die Melodie hier direkt
fröhlicher, wenn auch der Text alles
andere als heiter ist.
Auf
seinem neuen Album vereint Mastermind
Alexander Paul Blake seine tiefe Stimme
mal flüsternd, zitternd,
kreischend mit poetischer Tiefe
sowie finstersten Soundcollagen und
schafft so gekonnt schwer-atmosphärische
Stimmungswelten für insbesondere
anspruchsvolle Musikliebhaber.
Denn man sei gewarnt: Der Herbst
des Einsamen ist keine leichte Kost
für jedermann! Man muss sich für diese
Platte einfach Zeit nehmen, sie in Ruhe
auf sich wirken lassen, in ihrer Tiefe
versinken und sich von ihr gedanklich
davontragen lassen. Es ist mutig, wenn
eine Band die einst eingeschlagenen
musikalischen Pfade plötzlich kurzzeitig
verlässt, obgleich diese wirklich gut
bei den Hörern ankamen. Doch damit
beweisen Eden weint im Grab, dass sie den
Anspruch haben, nicht einfach mit dem
breiten Strom mitzuschwimmen. Der
Herbst des Einsamen ist ein
selbstbewusstes Werk, das jegliche
Aufmerksamkeit verdient hat!
Rezi: Aurora
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